DGI:ZNS-Infektionen/Abstract: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (27 dazwischenliegende Versionen von 5 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
Infektionen des Zentralen Nervensystems (ZNS) stellen grundsätzlich, egal ob ambulant erworben oder nosokomialer Genese, lebensbedrohliche Erkrankungen dar und werden daher meistens auf Intensivstationen behandelt <ref name=":0"> Leitlinie „Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter“ der DGN (Update 2023). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-089</ref>. Das klinische Erscheinungsbild kann sehr variabel und die notwendige Diagnostik aufwendig sein. Wenngleich Infektionen des ZNS in ihrer Häufigkeit nicht an führender Stelle stehen <ref name=":1">Vincent J-L Prevalence and Outcomes of Infection Among Patients in Intensive Care Units in 2017. JAMA 2020; 323: 1478-1487</ref> , ist eine frühzeitige Erkennung und adäquate Therapie von erheblicher Bedeutung für die Prognose. So zeigte die EPIC III-Studie <ref name=":1" /> , dass die Prävalenz von ZNS-Infektionen bei auf Intensivstationen behandelten Patienten weltweit unter 5% liegt, in unseren Breiten ca. 3% beträgt. | |||
Bei Infektionen im ZNS ist von besonderer Bedeutung, adäquate Wirkspiegel am Infektionsort zu erreichen. Die Besonderheiten der Penetration von anti-Infektiva in das ZNS mit den Faktoren der Blut-Hirn- und Blut-Liquorschranke haben Kumta et al. <ref name=":2"> Kumta N et al. Antibiotic distribution into cerebrospinal fluid: Can dosing safely account for drug and disease factors in the treatment of ventriculostomy-associated infections? Clin Pharmacokinet 2018; 57: 439–454</ref> anschaulich aufgearbeitet (Abbildungen 1, 2). Neben pharmakologischen Aspekten, wie der Hydro- oder Lipophilie der anti-infektiven Substanzen, spielt das Ausmaß der meningealen Inflammation eine große Rolle für die Penetration von anti-Infektiva in den Liquor bzw. in das Hirngewebe. Blassmann et al. <ref name=":3">Blassmann U et al. Cerebrospinal fluid penetration of meropenem in neurocritical care patients with proven or suspected ventriculitis: a prospective observational study. Crit Care 2016; 20: 343</ref> konnten die Notwendigkeit erheblich höherer Dosierungen von anti-Infektiva für eine suffiziente Therapie von Infektionen des ZNS aufzeigen. | |||
Infektionen des Zentralen Nervensystems (ZNS) stellen | Aufgrund des weitgehenden Fehlens randomisierter klinischer Studien gibt es für die meisten klinischen Szenarien bei ZNS-Infektionen keinen hohen Evidenzgrad für eine bestimmte Therapiestrategie, vielmehr sind die in die Leitlinien aufgenommenen Empfehlungen häufig im Expertenkonsens festgelegt, sollen jedoch wegen der unmittelbaren Lebensbedrohlichkeit der Erkrankungen unbedingt befolgt werden <ref name=":1" /> <ref name=":4"> Conen A et al. Management of infections associated with neurosurgical implanted devices. Expert Rev Anti Infect Ther 2017;15(3): 241-255</ref> <ref name=":5">Nau R. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Hirnabszess. AWMF-Registernummer: 030/108. https://dgn.org/leitlinien/ll-030-108-hirnabszess-2021 </ref> <ref name=":6"> Tunkel AR et al. 2017 Infectious Diseases Society of America’s Clinical Practice Guidelines for Healthcare-Associated Ventriculitis and Meningitis. Clin Infect Dis 2017; 64: e34–e65</ref> <ref name=":7"> Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen - Update 2018. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/082-006.html</ref>. | ||
Aufgrund des Fehlens randomisierter klinischer Studien gibt es keinen | |||
< | |||
Im folgenden Kapitel werden verschiedene Infektionen des ZNS beim Erwachsenen behandelt und deren Diagnostik und Behandlung vorgestellt. | |||
[[Datei:DGI_1606052474261.png|zentriert|mini|531x531px|Abbildung 1. Blut-Hirn-Schranke mit für und Gewebepenetration relevanten Charakteristika der u.a. transzellulären und parazellulären Passage. Legende: P-gp: P-Glykoprotein. | |||
Modifiziert nach <ref name=":2" />]] | |||
<br /> | <br /> | ||
[[Datei:DGI_ZNS Abstract 2.png|zentriert|mini|545x545px|Abbildung 2. Blut-Hirn-Schranke mit für die Gewebepenetration relevanten Charakteristika der u.a. transzellulären und parazellulären Passage. CSF= cerebrospinal fluid. Legende: Oat3: Organic anion transporter Typ 3, | |||
PEPT2: Peptide transporter Typ 2. | |||
Modifiziert nach <ref name=":2" />]] | |||
Aktuelle Version vom 1. September 2026, 11:39 Uhr
Infektionen des Zentralen Nervensystems (ZNS) stellen grundsätzlich, egal ob ambulant erworben oder nosokomialer Genese, lebensbedrohliche Erkrankungen dar und werden daher meistens auf Intensivstationen behandelt [1]. Das klinische Erscheinungsbild kann sehr variabel und die notwendige Diagnostik aufwendig sein. Wenngleich Infektionen des ZNS in ihrer Häufigkeit nicht an führender Stelle stehen [2] , ist eine frühzeitige Erkennung und adäquate Therapie von erheblicher Bedeutung für die Prognose. So zeigte die EPIC III-Studie [2] , dass die Prävalenz von ZNS-Infektionen bei auf Intensivstationen behandelten Patienten weltweit unter 5% liegt, in unseren Breiten ca. 3% beträgt. Bei Infektionen im ZNS ist von besonderer Bedeutung, adäquate Wirkspiegel am Infektionsort zu erreichen. Die Besonderheiten der Penetration von anti-Infektiva in das ZNS mit den Faktoren der Blut-Hirn- und Blut-Liquorschranke haben Kumta et al. [3] anschaulich aufgearbeitet (Abbildungen 1, 2). Neben pharmakologischen Aspekten, wie der Hydro- oder Lipophilie der anti-infektiven Substanzen, spielt das Ausmaß der meningealen Inflammation eine große Rolle für die Penetration von anti-Infektiva in den Liquor bzw. in das Hirngewebe. Blassmann et al. [4] konnten die Notwendigkeit erheblich höherer Dosierungen von anti-Infektiva für eine suffiziente Therapie von Infektionen des ZNS aufzeigen. Aufgrund des weitgehenden Fehlens randomisierter klinischer Studien gibt es für die meisten klinischen Szenarien bei ZNS-Infektionen keinen hohen Evidenzgrad für eine bestimmte Therapiestrategie, vielmehr sind die in die Leitlinien aufgenommenen Empfehlungen häufig im Expertenkonsens festgelegt, sollen jedoch wegen der unmittelbaren Lebensbedrohlichkeit der Erkrankungen unbedingt befolgt werden [2] [5] [6] [7] [8].
Im folgenden Kapitel werden verschiedene Infektionen des ZNS beim Erwachsenen behandelt und deren Diagnostik und Behandlung vorgestellt.


- ↑ Leitlinie „Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter“ der DGN (Update 2023). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-089
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Vincent J-L Prevalence and Outcomes of Infection Among Patients in Intensive Care Units in 2017. JAMA 2020; 323: 1478-1487
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Kumta N et al. Antibiotic distribution into cerebrospinal fluid: Can dosing safely account for drug and disease factors in the treatment of ventriculostomy-associated infections? Clin Pharmacokinet 2018; 57: 439–454
- ↑ Blassmann U et al. Cerebrospinal fluid penetration of meropenem in neurocritical care patients with proven or suspected ventriculitis: a prospective observational study. Crit Care 2016; 20: 343
- ↑ Conen A et al. Management of infections associated with neurosurgical implanted devices. Expert Rev Anti Infect Ther 2017;15(3): 241-255
- ↑ Nau R. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Hirnabszess. AWMF-Registernummer: 030/108. https://dgn.org/leitlinien/ll-030-108-hirnabszess-2021
- ↑ Tunkel AR et al. 2017 Infectious Diseases Society of America’s Clinical Practice Guidelines for Healthcare-Associated Ventriculitis and Meningitis. Clin Infect Dis 2017; 64: e34–e65
- ↑ Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen - Update 2018. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/082-006.html