DGI:Infektionsprävention/Prävention beatmungsassoziierter und nicht-beatmungsassoziierter Pneumonien (VAP / NV-HAP)/Abstract: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 51: | Zeile 51: | ||
! Überschrift !! Überschrift !! Überschrift | ! Überschrift !! Überschrift !! Überschrift | ||
|- | |- | ||
| Mechanische Mundhygiene ist zentral|| * | | Mechanische Mundhygiene ist zentral|| * Mind. 2x täglich Zähne putzen (Zahnbürste + Zahnpasta) * Zahnprotesen reinigen und trocken lagern * Mundtrockenheit vermeiden (Befeuchtung mit steriler NaCl-Lösung oder feuchten Tüchern || MODERAT | ||
|- | |- | ||
| Antiseptische Zusätze (z.B.Chlorhexidin 0,12-0,2 %) nur in Ausnahmefällen || * Früher häufig empfohlen, aktuelle Daten zeigen jedoch keinen klaren Nutzen und potentielle Risiken (Mortalitätssignal, Schleimhautläsionen). * Schwerpunkt sollte auf konsequenter mechanischer Reinigung liegen. || NIEDRIG/ uneinheitlich | | Antiseptische Zusätze (z.B.Chlorhexidin 0,12-0,2 %) '''nur in Ausnahmefällen''' || * Früher häufig empfohlen, aktuelle Daten zeigen jedoch keinen klaren Nutzen und '''potentielle Risiken''' (Mortalitätssignal, Schleimhautläsionen). * Schwerpunkt sollte auf konsequenter mechanischer Reinigung liegen. || NIEDRIG/ uneinheitlich | ||
|} | |} | ||
<br> | |||
===Ernährung und Aspirationsprophylaxe=== | |||
{| class="wikitable" | |||
|+ Text der Überschrift | |||
|- | |||
! Überschrift !! Überschrift !! Evidenz | |||
|- | |||
| Aufrechte Position || beim Essen und '''≥ 30 Minuten danach''' || MÄSSIG | |||
|- | |||
| Dysphagie-Screening || bei neurologischen oder geriatrischen Patient:innen, ggf. logopädische Therapie. || MÄSSIG | |||
|- | |||
| Korrekte Magensondenlage, geringe Fullstände || Verhinderung der Aspiration || NIEDRIG | |||
|} | |||
<br> | |||
===Präoperative und rehabilitative Atemtherapie=== | |||
{| class="wikitable" | |||
|+ Text der Überschrift | |||
|- | |||
! Überschrift !! Überschrift !! Überschrift | |||
|- | |||
| Präoperative Physiotherapie (Aufklärung+Atemübungen) || senkt postoperative Pneumonien (z.B. LIPPSMAck-POP RCT, BMJ 2018). || MODERAT | |||
|- | |||
| Inspiratory Muscle Training (IMT) || über 2-4 Wochen präoperativ (30% MIP, 5-7 Tage/Woche) reduziert Pneumonien und Hospitalisierungszeit.|| MODERAT | |||
|- | |||
| Atemübungen postoperativ || (PEP-Geräte, Incentive Spirometer, Hustentraining) fördern Clearance und Belüftung. || - | |||
|} | |||
<br> | |||
===Impfungen und Lebensstil=== | |||
{| class="wikitable" | |||
|+ Text der Überschrift | |||
|- | |||
! Überschrift !! Überschrift !! Überschrift | |||
|- | |||
| Impfungen prüfen || Influenza, SARS-CoV-2, Pneumokokken gemäß STIKO/ ACIP. || HOCH | |||
|- | |||
| Raucherentwöhnung und Alkoholkarenz || reduzieren das Pneumonierisiko signifikant. || MODERAT | |||
|} | |||
<br> | |||
===NVV-HAP-Bündel (für Normal-/IMC-Stationen)=== | |||
* Kombination von: | |||
** strukturierter Mundpflege, | |||
** Mobilisationsprotokoll, | |||
** Ess-Positions-Check, | |||
** Dysphagie-Screening, | |||
** Atemtherapie/ Hustenförderung; | |||
** Impf- und Lifestyle-Beratung. | |||
→ Evidenz: HOCH - Implementierungsstudien zeigen konsistente Reduktionen der NV-HAP-Inzidenz. | |||
<br> | |||
===Kernaussage=== | |||
Pneumonien im Krankenhaus - ob beatmungsassoziiert oder nicht - sind '''häufig vermeidbar'''. | |||
Entscheidend sind: | |||
* '''Mundpflege → Mobilisation → Aspirationsschutz,''' | |||
* ergänzt durch '''gezielte Atemtherapie und Impfungen.''' | |||
Antiseptische Zusatzmaßnahmen wie '''Chlorhexidin sind nicht mehr Standard,''' sondern nur bei spezieller Indikation vertretbar. | |||
Version vom 2. Oktober 2026, 10:05 Uhr
Beatmungsassoziierte und nicht-beatmungsassoziierte Pneumonien sind relevante, häufig vermeidbare Komplikationen im Krankenhaus. Die Prävention beruht auf einem multimodalen Bündel aus konsequenter Mund- und Rachenpflege, Aspirationsschutz, Oberkörperhochlagerung, frühzeitiger Mobilisation, aseptischem Atemwegsmanagement, kurzer Beatmungsdauer sowie gezielter Atemtherapie. Für Normal- und IMC-Stationen stehen insbesondere strukturierte Mundpflege, Dysphagie-Screening und Mobilisationsprotokolle im Vordergrund. Entscheidend ist die standardisierte, interprofessionelle Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen zur Reduktion von Pneumonieinzidenz, Beatmungsdauer und Liegezeit.
Ziel: Vermeidung mikrobieller Aspirationen, Reduktion oropharyngealer Erregerlast, Förderung der Lungenfunktion und Mobilität, Verkürzung der Beatmungs- bzw. Liegedauer.
Grundprinzipien
| Hygienetipps | Überschrift | Evidenz |
|---|---|---|
| Prävention der Intubation | Bei Hypoxämie frühzeitig NIV/ CPAP/ HFNO oder Atemtherapie erwägen | MODERAT |
| Tiefe Sedierung vermeiden | Leichte Sedierung fördert Spontanatmung und Frühmobilisation | MÄSSIG |
| Beatmungsdauer so kurz wie möglich halten. | Frühzeitige Extubation, konsequentes Weaning und Mobilisierung des Pneumonierisiko | MÄSSIG |
Aseptik und Atemwegsmanagement
| Hygienetipps | Überschrift | Evidenz |
|---|---|---|
| Aseptisches Vorgehen beim Absaugen | Händedesinfektion, sterile Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz; Absaugen nur bei Bedarf | NIEDRIG |
| Endotrachealtuben mit subglottischer Sekretabsaugung | reduzieren VAP-Raten signifikant. Logistische Umsetzung und Handling schwierig. | NIEDRIG |
| Cuff-Druch 20-30 cm H2O | Vermeidung von Mikroaspiration | NIEDRIG |
Lagerung und Sekretmanagement
| Hygienetipps | Überschrift | Evidenz |
|---|---|---|
| Oberkörperhochlagerung ≥ 30-40° | bei allen gefährdeten Patient:innen | MÄSSIG |
| Orale/ pharyngeale Sekretabsaugung | bei starker Sekretbildung | NIEDRIG |
| Frühmobilisation ab Tag 1. | passive und aktive Mobilisiation reduziert Pneumonien und Hospitalisationsdauer | MODERAT |
Mund- und Rachenpflege
| Überschrift | Überschrift | Überschrift |
|---|---|---|
| Mechanische Mundhygiene ist zentral | * Mind. 2x täglich Zähne putzen (Zahnbürste + Zahnpasta) * Zahnprotesen reinigen und trocken lagern * Mundtrockenheit vermeiden (Befeuchtung mit steriler NaCl-Lösung oder feuchten Tüchern | MODERAT |
| Antiseptische Zusätze (z.B.Chlorhexidin 0,12-0,2 %) nur in Ausnahmefällen | * Früher häufig empfohlen, aktuelle Daten zeigen jedoch keinen klaren Nutzen und potentielle Risiken (Mortalitätssignal, Schleimhautläsionen). * Schwerpunkt sollte auf konsequenter mechanischer Reinigung liegen. | NIEDRIG/ uneinheitlich |
Ernährung und Aspirationsprophylaxe
| Überschrift | Überschrift | Evidenz |
|---|---|---|
| Aufrechte Position | beim Essen und ≥ 30 Minuten danach | MÄSSIG |
| Dysphagie-Screening | bei neurologischen oder geriatrischen Patient:innen, ggf. logopädische Therapie. | MÄSSIG |
| Korrekte Magensondenlage, geringe Fullstände | Verhinderung der Aspiration | NIEDRIG |
Präoperative und rehabilitative Atemtherapie
| Überschrift | Überschrift | Überschrift |
|---|---|---|
| Präoperative Physiotherapie (Aufklärung+Atemübungen) | senkt postoperative Pneumonien (z.B. LIPPSMAck-POP RCT, BMJ 2018). | MODERAT |
| Inspiratory Muscle Training (IMT) | über 2-4 Wochen präoperativ (30% MIP, 5-7 Tage/Woche) reduziert Pneumonien und Hospitalisierungszeit. | MODERAT |
| Atemübungen postoperativ | (PEP-Geräte, Incentive Spirometer, Hustentraining) fördern Clearance und Belüftung. | - |
Impfungen und Lebensstil
| Überschrift | Überschrift | Überschrift |
|---|---|---|
| Impfungen prüfen | Influenza, SARS-CoV-2, Pneumokokken gemäß STIKO/ ACIP. | HOCH |
| Raucherentwöhnung und Alkoholkarenz | reduzieren das Pneumonierisiko signifikant. | MODERAT |
NVV-HAP-Bündel (für Normal-/IMC-Stationen)
- Kombination von:
- strukturierter Mundpflege,
- Mobilisationsprotokoll,
- Ess-Positions-Check,
- Dysphagie-Screening,
- Atemtherapie/ Hustenförderung;
- Impf- und Lifestyle-Beratung.
→ Evidenz: HOCH - Implementierungsstudien zeigen konsistente Reduktionen der NV-HAP-Inzidenz.
Kernaussage
Pneumonien im Krankenhaus - ob beatmungsassoziiert oder nicht - sind häufig vermeidbar. Entscheidend sind:
- Mundpflege → Mobilisation → Aspirationsschutz,
- ergänzt durch gezielte Atemtherapie und Impfungen.
Antiseptische Zusatzmaßnahmen wie Chlorhexidin sind nicht mehr Standard, sondern nur bei spezieller Indikation vertretbar.