DGI:Infektionsprävention/Prävention beatmungsassoziierter und nicht-beatmungsassoziierter Pneumonien (VAP / NV-HAP)/Abstract: Unterschied zwischen den Versionen
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| '''Aufrechte Position''' || beim Essen und '''≥ 30 Minuten danach''' || MÄSSIG | | '''Aufrechte Position''' || beim Essen und '''≥ 30 Minuten danach''' || MÄSSIG | ||
Version vom 2. Oktober 2026, 10:44 Uhr
Beatmungsassoziierte und nicht-beatmungsassoziierte Pneumonien sind relevante, häufig vermeidbare Komplikationen im Krankenhaus. Die Prävention beruht auf einem multimodalen Bündel aus konsequenter Mund- und Rachenpflege, Aspirationsschutz, Oberkörperhochlagerung, frühzeitiger Mobilisation, aseptischem Atemwegsmanagement, kurzer Beatmungsdauer sowie gezielter Atemtherapie. Für Normal- und IMC-Stationen stehen insbesondere strukturierte Mundpflege, Dysphagie-Screening und Mobilisationsprotokolle im Vordergrund. Entscheidend ist die standardisierte, interprofessionelle Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen zur Reduktion von Pneumonieinzidenz, Beatmungsdauer und Liegezeit.
Ziel: Vermeidung mikrobieller Aspirationen, Reduktion oropharyngealer Erregerlast, Förderung der Lungenfunktion und Mobilität, Verkürzung der Beatmungs- bzw. Liegedauer.
Grundprinzipien
| Hygienetipps | Hinweise/ Empfehlungen | Evidenz |
|---|---|---|
| Prävention der Intubation | Bei Hypoxämie frühzeitig NIV/ CPAP/ HFNO oder Atemtherapie erwägen | MODERAT |
| Tiefe Sedierung vermeiden | Leichte Sedierung fördert Spontanatmung und Frühmobilisation | MÄSSIG |
| Beatmungsdauer so kurz wie möglich halten. | Frühzeitige Extubation, konsequentes Weaning und Mobilisierung des Pneumonierisiko | MÄSSIG |
Aseptik und Atemwegsmanagement
| Hygienetipps | Hinweise/ Empfehlungen | Evidenz |
|---|---|---|
| Aseptisches Vorgehen beim Absaugen | Händedesinfektion, sterile Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz; Absaugen nur bei Bedarf | NIEDRIG |
| Endotrachealtuben mit subglottischer Sekretabsaugung | reduzieren VAP-Raten signifikant. Logistische Umsetzung und Handling schwierig. | NIEDRIG |
| Cuff-Druck 20-30 cm H2O | Vermeidung von Mikroaspiration | NIEDRIG |
Lagerung und Sekretmanagement
| Hygienetipps | Hinweise/ Empfehlungen | Evidenz |
|---|---|---|
| Oberkörperhochlagerung ≥ 30-40° | bei allen gefährdeten Patient:innen | MÄSSIG |
| Orale/ pharyngeale Sekretabsaugung | bei starker Sekretbildung | NIEDRIG |
| Frühmobilisation ab Tag 1. | passive und aktive Mobilisiation reduziert Pneumonien und Hospitalisationsdauer | MODERAT |
Mund- und Rachenpflege
| Hygienetipps | Hinweise/ Empfehlungen | Evidenz |
|---|---|---|
| Mechanische Mundhygiene ist zentral |
|
MODERAT |
| Antiseptische Zusätze (z.B.Chlorhexidin 0,12-0,2 %) nur in Ausnahmefällen |
|
NIEDRIG/ uneinheitlich |
Ernährung und Aspirationsprophylaxe
| Hygienetipps | Hinweise/ Empfehlungen | Evidenz |
|---|---|---|
| Aufrechte Position | beim Essen und ≥ 30 Minuten danach | MÄSSIG |
| Dysphagie-Screening | bei neurologischen oder geriatrischen Patient:innen, ggf. logopädische Therapie. | MÄSSIG |
| Korrekte Magensondenlage, geringe Fullstände | Verhinderung der Aspiration | NIEDRIG |
Präoperative und rehabilitative Atemtherapie
| Hygienetipps | Überschrift | Evidenz |
|---|---|---|
| Präoperative Physiotherapie (Aufklärung+Atemübungen) | senkt postoperative Pneumonien (z.B. LIPPSMAck-POP RCT, BMJ 2018). | MODERAT |
| Inspiratory Muscle Training (IMT) | über 2-4 Wochen präoperativ (30% MIP, 5-7 Tage/Woche) reduziert Pneumonien und Hospitalisierungszeit. | MODERAT |
| Atemübungen postoperativ | (PEP-Geräte, Incentive Spirometer, Hustentraining) fördern Clearance und Belüftung. | - |
Impfungen und Lebensstil
| Hygienetipps | Überschrift | Evidenz |
|---|---|---|
| Impfungen prüfen | Influenza, SARS-CoV-2, Pneumokokken gemäß STIKO/ ACIP. | HOCH |
| Raucherentwöhnung und Alkoholkarenz | reduzieren das Pneumonierisiko signifikant. | MODERAT |
NVV-HAP-Bündel (für Normal-/IMC-Stationen)
- Kombination von:
- strukturierter Mundpflege,
- Mobilisationsprotokoll,
- Ess-Positions-Check,
- Dysphagie-Screening,
- Atemtherapie/ Hustenförderung;
- Impf- und Lifestyle-Beratung.
→ Evidenz: HOCH - Implementierungsstudien zeigen konsistente Reduktionen der NV-HAP-Inzidenz.
Kernaussage
Pneumonien im Krankenhaus - ob beatmungsassoziiert oder nicht - sind häufig vermeidbar.
Entscheidend sind:
- Mundpflege → Mobilisation → Aspirationsschutz,
- ergänzt durch gezielte Atemtherapie und Impfungen.
Antiseptische Zusatzmaßnahmen wie Chlorhexidin sind nicht mehr Standard, sondern nur bei spezieller Indikation vertretbar.