Zum Inhalt springen

Achtung: Bitte beachten Sie unbedingt die Nutzungsbedingungen. Trotz sorgfältiger Prüfung wird keinerlei Haftung für die dargestellten Inhalte übernommen. Alle Inhalte richten sich ausschließlich an ein ärztliches Fachpublikum.

DGI:Infektionsprävention/Prävention beatmungsassoziierter und nicht-beatmungsassoziierter Pneumonien (VAP / NV-HAP)/Abstract

Aus Infektiopedia

Beatmungsassoziierte und nicht-beatmungsassoziierte Pneumonien sind relevante, häufig vermeidbare Komplikationen im Krankenhaus. Die Prävention beruht auf einem multimodalen Bündel aus konsequenter Mund- und Rachenpflege, Aspirationsschutz, Oberkörperhochlagerung, frühzeitiger Mobilisation, aseptischem Atemwegsmanagement, kurzer Beatmungsdauer sowie gezielter Atemtherapie. Für Normal- und IMC-Stationen stehen insbesondere strukturierte Mundpflege, Dysphagie-Screening und Mobilisationsprotokolle im Vordergrund. Entscheidend ist die standardisierte, interprofessionelle Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen zur Reduktion von Pneumonieinzidenz, Beatmungsdauer und Liegezeit.


Ziel: Vermeidung mikrobieller Aspirationen, Reduktion oropharyngealer Erregerlast, Förderung der Lungenfunktion und Mobilität, Verkürzung der Beatmungs- bzw. Liegedauer.

Grundprinzipien

Tab. 4. Grundprinzipien
Hygienetipps Hinweise/ Empfehlungen Evidenz
Prävention der Intubation Bei Hypoxämie frühzeitig NIV/ CPAP/ HFNO oder Atemtherapie erwägen MODERAT
Tiefe Sedierung vermeiden Leichte Sedierung fördert Spontanatmung und Frühmobilisation MÄSSIG
Beatmungsdauer so kurz wie möglich halten. Frühzeitige Extubation, konsequentes Weaning und Mobilisierung des Pneumonierisiko MÄSSIG


Aseptik und Atemwegsmanagement

Tab. 5. Aseptik und Atemwegsmanagement
Hygienetipps Überschrift Evidenz
Aseptisches Vorgehen beim Absaugen Händedesinfektion, sterile Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz; Absaugen nur bei Bedarf NIEDRIG
Endotrachealtuben mit subglottischer Sekretabsaugung reduzieren VAP-Raten signifikant. Logistische Umsetzung und Handling schwierig. NIEDRIG
Cuff-Druck 20-30 cm H2O Vermeidung von Mikroaspiration NIEDRIG


Lagerung und Sekretmanagement

Tab. 6. Lagerung und Sekretmanagement
Hygienetipps Überschrift Evidenz
Oberkörperhochlagerung ≥ 30-40° bei allen gefährdeten Patient:innen MÄSSIG
Orale/ pharyngeale Sekretabsaugung bei starker Sekretbildung NIEDRIG
Frühmobilisation ab Tag 1. passive und aktive Mobilisiation reduziert Pneumonien und Hospitalisationsdauer MODERAT


Mund- und Rachenpflege

Tab. 7. Mund- und Rachenpflege
Hygienetipps Überschrift Evidenz
Mechanische Mundhygiene ist zentral
  • Mind. 2x täglich Zähne putzen (Zahnbürste + Zahnpasta)
  • Zahnprotesen reinigen und trocken lagern
  • Mundtrockenheit vermeiden (Befeuchtung mit steriler NaCl-Lösung oder feuchten Tüchern
MODERAT
Antiseptische Zusätze (z.B.Chlorhexidin 0,12-0,2 %) nur in Ausnahmefällen
  • Früher häufig empfohlen, aktuelle Daten zeigen jedoch keinen klaren Nutzen und potentielle Risiken (Mortalitätssignal, Schleimhautläsionen).
  • Schwerpunkt sollte auf konsequenter mechanischer Reinigung liegen.
NIEDRIG/ uneinheitlich


Ernährung und Aspirationsprophylaxe

Tab. 8. Ernährung und Aspirationsprophylaxe
Hygienetipps Überschrift Evidenz
Aufrechte Position beim Essen und ≥ 30 Minuten danach MÄSSIG
Dysphagie-Screening bei neurologischen oder geriatrischen Patient:innen, ggf. logopädische Therapie. MÄSSIG
Korrekte Magensondenlage, geringe Fullstände Verhinderung der Aspiration NIEDRIG


Präoperative und rehabilitative Atemtherapie

Tab. 9. Präoperative und rehabilitative Atemtherapie
Hygienetipps Überschrift Evidenz
Präoperative Physiotherapie (Aufklärung+Atemübungen) senkt postoperative Pneumonien (z.B. LIPPSMAck-POP RCT, BMJ 2018). MODERAT
Inspiratory Muscle Training (IMT) über 2-4 Wochen präoperativ (30% MIP, 5-7 Tage/Woche) reduziert Pneumonien und Hospitalisierungszeit. MODERAT
Atemübungen postoperativ (PEP-Geräte, Incentive Spirometer, Hustentraining) fördern Clearance und Belüftung. -


Impfungen und Lebensstil

Tab. 10. Impfungen und Lebensstil
Hygienetipps Überschrift Evidenz
Impfungen prüfen Influenza, SARS-CoV-2, Pneumokokken gemäß STIKO/ ACIP. HOCH
Raucherentwöhnung und Alkoholkarenz reduzieren das Pneumonierisiko signifikant. MODERAT


NVV-HAP-Bündel (für Normal-/IMC-Stationen)

  • Kombination von:
    • strukturierter Mundpflege,
    • Mobilisationsprotokoll,
    • Ess-Positions-Check,
    • Dysphagie-Screening,
    • Atemtherapie/ Hustenförderung;
    • Impf- und Lifestyle-Beratung.

→ Evidenz: HOCH - Implementierungsstudien zeigen konsistente Reduktionen der NV-HAP-Inzidenz.

Kernaussage

Pneumonien im Krankenhaus - ob beatmungsassoziiert oder nicht - sind häufig vermeidbar.
Entscheidend sind:

  • Mundpflege → Mobilisation → Aspirationsschutz,
  • ergänzt durch gezielte Atemtherapie und Impfungen.

Antiseptische Zusatzmaßnahmen wie Chlorhexidin sind nicht mehr Standard, sondern nur bei spezieller Indikation vertretbar.