DGI:ZNS-Infektionen/Virale Meningitis/Enzephalitis/Klinisches Bild/Epidemiologie
Erscheinungsbild
- Inzidenz viraler Enzephalitiden liegt zwischen 3,5 bis 7,5 Fällen pro 100.000 Einwohnern
- höchste Inzidenz bei jüngeren und älteren Menschen
- aktive Impfungen haben zum Rückgang bestimmter viraler Enzephalitiden geführt (z.B. Mumpsimpfung 1980)
- bei Immunsupprimierten (AIDS-, Transplantations- oder Chemotherapiepatienten) liegen bestimmte Virus-Inzidenzen höher (z.B. EBV, CMV)
- wichtige epidemiologische Faktoren sind Jahreszeit, Geographie und Exposition gegenüber Tieren/Insekten
| Erreger/Gruppe | Epidemiologische Bedeutung in Deutschland/Europa | Risikogruppen/Saison/Region | Literatur |
|---|---|---|---|
| HSV-1 | Wichtigste sporadische, behandelbare virale Enzephalitis bei Erwachsenen; geschätzte Inzidenz der HSV-Enzephalitis ca. 1-3/Million/Jahr. | Alle Altersgruppen; schwerer Verlauf häufiger bei älteren Patienten; keine klare Saison. | Beispiel |
| HSV-2 | Häufiger Ursache viraler Meningitis als klassischer Enzephalitis; relevant bei Neonaten, Immunsuppression und rezidivierender lymphozytärer Meningitis. | Neonaten; immunsupprimierte Patienten; Erwachsene mit genitaler HSV-2-Infektion. | Beispiel |
| VZV | Eine der wichtigsten Herpesvirus-Ursachen von ZNS-Infektionen in Europa; neben Enzephalitis auch Meningitis, Myelitis, Hirnnervenbeteiligung und Vaskulopathie. | Ältere Patienten, Immunsuppression, Zoster-Anamnese; Auftreten auch ohne Exanthem möglich. | Beispiel |
| Enteroviren | Häufige Ursache viraler Meningitis/Meningoenzephalitis, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen; in deutschen/europäischen Serien häufig nachgewiesen. | Sommer/Herbst; Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene; Ausbrüche möglich. | Beispiel |
| FSME-Virus | Zentrale regionale, impfpräventable Enzephalitis in Deutschland/Mitteleuropa; RKI weist Risikogebiete v.a. in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, Südost-Thüringen sowie weiteren Regionen aus; Ausweitung nach Norden/Osten wird beobachtet. | Zeckenexposition; Frühling bis Herbst, zunehmend längere Saison; schwere Verläufe häufiger bei älteren Erwachsenen. | Beispiel |
| West-Nil-Virus | Zunehmend relevante Arbovirose in Europa; autochthone Infektionen in Deutschland seit 2019 beschrieben; ECDC berichtet für 2025 lokale Fälle aus mehreren europäischen Ländern, einschließlich Deutschland. | Mückensaison Sommer/Herbst; höheres Risiko neuroinvasiver Erkrankung bei Alter und Immunsuppression. | Beispiel |
| EBV/ CMV/ HHV-6 | Insgesamt seltener als HSV/VZV/Enteroviren, aber klinisch wichtig bei Immunsuppression; CMV und HHV-6 v.a. bei HIV, Transplantation oder hämatologischen Erkrankungen. | Immunsuppression, Transplantation, HIV, Chemotherapie/Biologika. | Beispiel |
| Masern/ Mumps/ Röteln | Bei hoher Impfquote selten, aber bei Impflücken/Ausbrüchen weiterhin relevant; Masern können akute Enzephalitis, ADEM, MIBE und SSPE verursachen. | Ungeimpfte, Immunsupprimierte, Ausbrüche, Reise-/Migrationsexposition. | Beispiel |
| Tollwut/ Lyssaviren | In Deutschland extrem selten, aber wegen nahezu 100% Letalität nach Symptombeginn immer wichtig bei passender Reise-, Tierbiss- oder Fledermausanamnese. | Tierbiss, Fledermauskontakt, Reisen in Endemiegebiete. | Beispiel |