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Geburtshilfliche Infektionen

Kapitelinformationen
Stand: Februar 2022
Kapitelleitung: Masen Sueifan
Autor:innen: Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold
Reviewer:innen: Julia Jückstock
Beteiligte Fachgesellschaften: dgi-logo.png
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Geburtshilfliche Infektionen stellen für das Kind häufig ein Risiko dar, während die Schwangere oftmals von einer Infektion nicht oder nur kaum betroffen ist. Der Ausbreitungsweg potenzieller Pathogene ist unterschiedlich. Dieser kann hämatogen, vaginal aszendierend, diaplanzentar oder beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal sein. Des Weiteren lassen sich Infektionen nach dem Zeitpunkt der Entstehung unterscheiden – während der Schwangerschaft, peripartal und im Wochenbett.


Klinisches Bild

Klinisches Bild bearbeiten

Das klinische Bild variiert stark je nachdem ob die Schwangere und/oder das Kind eine Infektion haben und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die Schwangerschaft an sich führt bei der Mutter zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder auch Reaktivierung persistierender Erreger. Insbesondere kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Hierunter zählen:

  • Embryopathie, Fetopathie, intrauteriner Fruchttod durch eine Infektion in utero
  • Frühgeburt
  • Tod der Mutter
  • Aszendierende Infektionen der Mutter (z.B. Sepsis)
  • Infektion des Kindes während der Geburt

Weiterhin wird das klinische Bild durch den Zeitpunkt der Infektion geprägt – hierbei handelt es sich um Infektionen während Schwangerschaft sowie peripartal und im Wochenbett.

Leitsymptome

1.Bakterielle Infektionen

Bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft besitzen drei Ausbreitungswege – vaginal-aszendierend/-peripartal und hämatogen. Die Leitsymptome stehen daher in engen Kontakt mit dem zugrunde liegenden Ausbreitungsweg.


a)    Vaginal-aszendierend/-peripartal

Erkrankung Leitsymptom Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Gruppe-B-Streptokokken
  • Für Schwangere selten pathogene Bedeutung
  • Fieber
  • Häufigste Ursache für neonatale Morbidität und Mortalität
Es werden zwei Krankheitsverläufe unterschieden

a) Early-onset: 24-48h nach Geburt

  • Rascher Verlauf
  • Pulmonale Adaptionsstörung
  • Bradykardie
  • Zyanose
  • Apnoe-Attacken
  • Trinkschwäche
  • Respiratory distress Syndrom
  • Pneumonie
  • Meningitis
  • Sepsis
Vorzeitiger Blasensprung Spontaner schwallartiger oder auch nur tröpfchenweiser Abgang von Fruchtwasser

Frühzeichen:

  • Zervixverkürzung mit innerem Trichter
  • Vorzeitige Wehen
Keine
  • Frühgeburt
  • Triple I
  • Nabelschnurvorfall
  • Plazentalösung
Triple I (Amnioninfektionssyndrom) Verdacht auf Triple I:
  • Maternales Fieber plus
    • Fetale Tachykardie > 160/min länger als 10 Minuten oder
    • Maternale Leukozytose > 15.000/µl oder
    • purulenter Fluor


Bestätige Triple I:

  • Verdacht auf Triple I plus nachgewiesene Infektion
    • Entweder per Amnionzetese im Fruchtwasser oder
    • In der Plazenta, den Eihäuten oder der Nabelschnur (postpartal)
Neugeboreneninfektion
  • Frühgeburt
  • Sepsis der Mutter
  • Fetales inflammatory response syndrom (FIRS)
  • Uterine Dysfunktion mit Gefahr eines Geburtsstillstands und/oder postpartaler Atonie
Zervizitis


  • Symptomloser Verlauf möglich
  • Vaginaler Ausfluss (Fluor), purulent/mukopurulent)
  • Vaginale Zwischenblutungen
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Bei Chlamydia trachomatis-Infektion keine direkte Schädigung, v.a. kein Zusammenhang zu Frühgeburtlichkeit
  • Bei Gonorrhöe (Gonokokken) Frühgeburt oder septischer Abort möglich
  • Bei Chlamydien-Infektion während der Geburt Konjunktivitis, seltener Otitis media
  • Nach Aspiration von Chlamydien während der Geburt Gefahr der Pneumonie
  • Bei Gonorrhoe Konjunktivitis, seltener oropharyngeale Infektion
E. coli


  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Fragliche Uteruskontraktionen, Krämpfe
  • Fieber
  • Aber auch asymptomatischer Verlauf mit hoher Keimlast in Kultur
  • Spätabort
  • Frühgeburt
Neonatale E. coli Sepsis
Trichomoniasis
  • Entzündung der Vaginalschleimhaut
  • Rötung und Schwellung
  • Schaumig-dünnflüssiger, gelblich-grüner Fluor
  • Übelriechender Fluor
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Spätabort
  • Frühgeburt
  • Vermindertes Geburtsgewicht
  • Zervikale Neoplasien
  • Unfruchtbarkeit


b)    Hämatogene Ausbreitung:

Erkrankung Leitsymptom Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Campylobacter fetus und jejuni Infektion


  • Krankheitsbeginn mit hohem Fieber
  • Abdominelle Krämpfe
  • Gefolgt von Diarrhöe, entweder in Form einer Ileitis (wässrig) oder in Form einer Kolitis (schleimig-blutig)
  • Septischer Abort
  • Septische Frühgeburt
  • Spätfolgen: Reiterkrankheit, reaktive Arthritis, Guilian-Barré-Syndrom
Listeriose


  • Meist milde Symptomatik, grippe-ähnlich
  • Gelegentlich persistierendes niedriges bis mäßig erhöhtes Fieber, welches nach 8 – 10 Tagen wieder zunimmt.
  • Schwangere haben 10-fach höheres Risiko eine Listeriose zu bekommen
  • Fruchtod
  • Frühgeburt
  • Bei Infektion hohe Mortalität des Kindes


Early-onset (diaplazentare Infektion) (1. Lebenswoche)

  • Sepsis
  • Atemnot
  • Granulomatosis infantiseptica


Late-onset (vaginal-peripartal)/2.. Lebenswoche):

  • Meningitis
Toxoplasmose


  • Meist asymptomatische Klinik bis leichte grippe-ähnliche Symptome
  • Gefährlich ist Erstinfektion während der Schwangerschaft
  • Hydrocephalus
  • Retinochoroiditis
  • Totgeburt


Nach Jahren kann es zu Gesichtsfeldausfällen beim Kind kommen

A-Streptokokken-Infektion


Richtet sich nach der Erkrankung:
  • Phyryngitis,Tonsilitis
  • Scharlach: Sonderform der Pharyngitis (Ursache ist durch Bakteriophagen befallene A-Streptokokken), durch sich bildendes erythrogenes Toxin werden diffuse, auf Druck verblassende Erytheme gebildet, dabei sind Munddreieck, Handflächen und Fußsohlen ausgespart, Erdbeer-Zunge
  • Gefahr für Mutter ab Blasensprung
  • Direkte Schädigung bei Scharlach nicht bekannt
Erhöhtes Infektionsrisiko ab dem Zeitpunkt des Blasensprungs
Borreliose



Infektion mit Borrelien verläuft in drei Stadien, wobei nicht jedes Stadium durchlaufen werden muss
  • Stadium 1: Erythema migrans
  • Stadium 2: Nach Wochen bis Monaten: Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis
  • Stadium 3: Spätstadium, chronisch-rezidiviernde Arthritis (Lyme-Borreliose)
  • Bisher kaum beschriebene Fälle
  • Borellien sind mit Troponema pallidum verwandt
  • Totgeburt
  • Frühgeburt (mit Exanthem)
  • Syndaktylie
Keuchhusten
  • Beginn als grippaler Infekt (zu diesem Zeitpunkt ist die Schwangere hoch-infektiös)
  • Im Anschluß folgt Stadium convulsivum (sehr geringe Infektiösität)
  • Charakteristisch sind Hustenanfälle mit anschließenden tiefen Atemzügen (verursacht durch Pertussis-Toxin -> antibiotisch nicht zu beeinflussen)
Nicht bekannt Im Stadium convulsivum Frühgeburt möglich
Salmonellose
  • Meist enteritische Salmonellose mit Brechdurchfall und Diarrhoe (meist nicht blutig)
  • Typhus/Paratyphus selten
  • Frühgeburt möglich
  • Enteritische Salmonellose mit schwerem Verlauf als bei Erwachsenen
  • Meningitis
Staph. aureus Infektion
  • Gehört nicht zur physiologischen Flora der Vagina
  • Hämatogene Streuung während Geburt
  • Symptome entsprechend Besiedelung


  • Konjunktivitis
  • Sepsis


c)    Leitsymptome von peripartalen/Wochenbett-Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Leitsymptom Komplikationen
Endometritis puerperalis Bei Frühendometritis (meist durch Anaerobier oder Darmkeime) stehen folgende Symptome im Vordergrund:
  • Auftreten der Symptomatik meist 48 Stunden nach Entbindung
  • Schlecht riechender Ausfluss
  • Vaginale Blutung
  • Schmerzen
  • Mäßig hohes Fieber
  • Uterus weich und dolent
  • Fundus steht höher als es Wochenbettag entsprechen sollte

Bei Spätendometritis durch

Chlamydien steht im Vordergrund:

  • Auftreten der Symptomatik 4-6 Wochen nach Entbindung
  • Blutung
Bei Frühendometritis (meist durch Anaerobier oder Darmkeime) stehen folgende Symptome im Vordergrund:
  • Auftreten der Symptomatik meist 48 Stunden nach Entbindung
  • Schlecht riechender Ausfluss
  • Vaginale Blutung
  • Schmerzen
  • mäßig hohes Fieber
  • Uterus weich und dolent
  • Fundus steht höher als es Wochenbettag entsprechen sollte

Bei Spätendometritis durch

Chlamydien steht im Vordergrund:

  • Auftreten der Symptomatik 4-6 Wochen nach Entbindung
  • Blutung
Bei im Verlauf nicht baldigen Rückgang des Fiebers ist eine Infektion mit Staph. aureus und Abszessbildung möglich
Puerperable Peritonitis
  • Fieber
  • Schmerzen
  • Diarrhöe bei weicher Bauchdecken
  • Fieber
  • Schmerzen
  • Diarrhöe bei weicher Bauchdecken
Kann Zwischenstufe zu Puerperal Sepsis sein
Puerperalsepsis
  • Diffuser Krankheitszustand der Mutter
  • Fieber besonders an Tag 2 und 3 bis 38,5°C
  • Plötzlicher, rasanter Symptomverlauf
  • In Beine ausstrahlende Schmerzen
  • Schwäche/Antriebsarmut
  • qSOFA > 2 Punkte
  • diffuser Krankheitszustand der Mutter
  • Fieber besonders an Tag 2 und 3 bis 38,5°C
  • plötzlicher, rasanter Symptomverlauf
  • in Beine ausstrahlende Schmerzen
  • Schwäche/Antriebsarmut
  • qSOFA > 2 Punkte
  • Vollbild einer fulminanten Sepsis
  • Respiratorische Insuffizienz
  • Toxic Schocksyndrom- Pyoderma gangraenosum
  • Tod der Mutter
Episiotomiewundinfekt
  • Rubor, Tumor, Dolor, Calor
  • Nässende, eitrige Wunde
  • Fieber
  • Rubor, Tumor, Dolor, Calor
  • nässende, eitrige Wunde
  • Fieber
Primär Konservativ
Wundinfekt nach Sectio caesarea
  • Rubor, Tumor, Dolor, Calor
  • Nässende, eitrige Wunde
  • Fieber
  • Rubor, Tumor, Dolor, Calor
  • nässende, eitrige Wunde
  • Fieber
Indikation zur chirurgischen Intervention
Harnwegsinfekt
  • Dysurie
  • Fieber
  • Blut und Leukozyten im Wochenbett möglich
  • Dysurie
  • Fieber
  • Blut und Leukozyten im Wochenbett möglich
  • Aszendierender Harnwegsinfekt
  • Urosepsis


d)     Infektionen der Mamma:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Komplikationen
Mastitis puerperalis
  • Örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust
  • Lokal starke Schmerzen
  • Zudem können systemische Reaktionen wie Fieber (> 38 °C) auftreten
  • Hämatogene Streuung im Sinne einer Sepsis sind selten
Abszessbildung


2.Virale Erkrankungen

Erkrankung Leitsymptom Direkte Schädigung Kind Komplikationen
HIV-Infektion
  • Im Stadium I der Infektion, meist 2 -3 Wochen nach der Infektion, grippale Symptome, ähnlich einer EBV Infektion
  • Ca. 20% der Betroffenen zeigen Symptome im Stadium I
  • Keine direkte Schädigung des ungeborenen Kindes
  • Peripartales Infektionsrisiko bei ca. 30%
AIDS definierende Erkrankung
Herpes-Infektion
  • Brennende Schmerzen
  • Juckreiz
  • Knötchen. Bläschen
  • Großflächige Läsionen
  • Leistenlymphknotenschwellung
Sehr selten im 1. Trimenon Chorioretinits, Mikrozephalie
  • Bei florider Herpes genitales Infektion peripartal Gefahr eines Herpes neonatorum mit Todesfolge oder schweren Schäden
  • Gefahr einer Herpes Infektion mit Folge eines Herpes neonatorum bei seronegativer Mutter durch Infektion mit Herpes oralis durch Besucher:innen oder Personal
HPV-Infektion
  • Bei niedrigrisiko-HPV-Typ häufigstes Symptom Condyloma acuminat
  • Bei hochrisiko-HPV-Typen asymptomatischer Verlauf
Keine
  • Bei niedrigrisiko-HPV kann es nach Infektion des Kindes peripartal zu Larynxpapillome kommen
  • Zervix-Ca der Mutter


3.Sexuell übertragbare Infektionen

Erkrankung Leitsymptom Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Lues
  • Ein oder mehrere Ulci oder Oedema indurativum, mit zum Teil nicht schmerzhaften regionalen Lymphknotenschwellungen
a) höchstes Risiko für das Kind bei Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft (Primärinfektion). Wahrscheinlichkeit für Infektion des Kindes 70 bis 100%
  • in der Frühschwangerschaft Frühabort oder Fruchttod
  • ab 4. Schwangerschaftsmonat Lues connata


b) Infektion unter vaginaler Geburt führt zu Primäraffekt im Nacken und Kopf des Kindes

a) Lues connata praecox: entspricht Sekundärstadium der Syphilis

b) Lues connata tarda: klinische Symptome im späten Kindes- oder frühen Erwachsenenalter


Chlamydien

Subklinische Symptome einer Zervizitis/Urethritis
  • Regelmäßiger Harndrang und Dysurie mit Leukozytose, aber negativem Bakteriennachweis im Urin
  • Selten typische Symptomen einer akuten Entzündung mit eitrigem, manchmal stark riechendem Ausfluss
  • Pelvic inflammantory disease (PID) möglich
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Frühgeburt
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • In 2/3 perinatale Übertragung auf das Kind
  • Einschlusskörperchenkonjunktivitis
  • Pneumonie


Klinische Situationen

Infektionen in der Geburtshilfe sind in der westlichen und entwickelten Welt seltener geworden. Dennoch sind sie nach wie vor gefürchtet. Durch Impfungen konnten viele Risiken minimiert werden, dennoch müssen Infektionen der werdenden Mutter immer ernst genommen werden.

Epidemiologie

Nicht zu allen Infektionskrankheiten in der Geburtshilfe lassen sich Angaben zur Epidemiologie machen. So ist in Deutschland beispielsweise eine Chlamydia trachomatis Infektion nicht meldepflichtig.

Infektion Häufigkeit
Endometritis puerperalis Häufig, keine Zahlen verfügbar[1]
Episiotomie Infektion Insgesamt selten, da Episiotomie an sich selten geworden
Infektion nach Sectio caesarea Ca. 1% bei stattgehabter PAP
Puerperalsepsis Keine offiziellen Daten vorhanden
Scharlach Für die Tonsillopharyngitis wird mit ca. 1 – 1,5 Mio in Deutschland/Jahr geschätzt.

Scharlach: 4154 gemeldete Fälle 2020[2]

Vorzeitiger Blasensprung 8 – 10% aller Schwangerschaften
Gruppe-B-Streptokokken - Bei ca. 20 – 30% der Menschen Teil der physiologischen Darmflora

- Bei ca. 10 - 30% der Schwangeren in Vagina nachweisbar

- Trasmissionrate auf das Kind ca. 50%

Prognose

Die Prognose richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung/Infektion.



Diagnostik

Diagnostik bearbeiten

Diagnosekriterien

Diagnosekriterien sind bei der Vielzahl möglicher geburtshilflicher Infektionen die Beurteilung einer dezidierten gynäkologischen Untersuchung sowie, falls indiziert, eine angemessene mikrobiologische Probengewinnung. Diese muss sich auf die zugrunde liegenden Arbeitsdiagnose beziehen.

Diagnostische Schritte

Erkrankung Klinik Mikrobiologie/Labor
A-Streptokokken

hier: Scharlach

  • Exanthem, Erythem, Pyodermie
  • Fieber
  • ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A in Rachen und/oder Vagina- Labor: Leukozytose, CRP Serologie nicht relevant
Borreliose
  • Stadium I: Erythema migrans
  • Stadium II: nach Wochen bis monate Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis
  • Stadium III: chronisch-rezidivierende Arthirtis (Spätstadium)
  • Stadium I: klinische Diagnose, nur in 50% Antikörper nachweisbar
  • Stadium II: Erregernachweis mittels Serologie (ELISA), PCR
Campylobacter jejuni und fetus
  • Klinische Untersuchung
Erregernachweis aus Fruchtwasser, Stuhl, Blutkultur
Episiotomie-Wundinfektion
  • Postpartum Wundinspektion
Keine
HIV-Infektion Reduzierter AZ und EZ
  • AK-Schnelltest, wenn pos.
    • Dann PCR und Immunstatus
    • Resistenztestung
HPV Unspezifischer Fluor Vaginaler Abstrich

PCR

Keuchhusten
  • Klinische Untersuchung
  • Symptome eines grippalen Infekts (7. – 14 Tage nach Indfektion).

CAVE: Pat. zu dieser Zeit hochinfektiös

  • Nasopharyngealer Abstrich
  • PCR
  • ELISA gegen Pertusistoxin und (PT) und
  • Filamenthämagglutinin (FHA = begünstigt Adhäsion anderer Bakterien z.B. Pneumokokken) möglich
Listeriose
  • Allgemeine klinische Untersuchung
  • Meningismus?
  • Fetomaternaler Ultraschall
Erregernachweis PCR oder Kultur aus
  • Blutkultur
  • Fruchtwasser
  • Liquor (bei V.a. Meningitis)
  • Zervix Abstrich nach vorzeitigem Blasensprung


Serologie wegen Kreuzreaktion ungeeignet

Lues
  • Gynäkologische Untersuchung
  • Nicht schmerzhafte Lymphknoten
  • Ulcus oder Oedema indurativum
  • TPHA- oder TPPA Test sind sicher Hinweise auf abgelaufene Infektion, aber kein Hinweis auf Floridität
  • Behandlungswürdigkeit mittels VDRL-Test und verschiedene IgM Antikörper
Puerperal Peritonitis
  • Klinische Untersuchung
  • V.a. weiches Abdomen typisch
  • Laborchemische Infektzeichen
Salmonellose
  • Klinische Untersuchung
  • Anamnese auf mögliche Übertragung:
    • kontaminierte Lebensmittel (Fleisch, Geflügel, Eier, etc.)
    • mögliche Schmierinfektion von gesunden Dauerausscheidern
  • Stuhl auf pathogene Erreger
Staph. aureus Infektion
  • Gynäkologische Untersuchung
  • Vaginaler Abstrich
  • Abnahme von 2 bis 3 Paar Blutkulturen
  • CRP, PCT
Toxoplasmose
  • Klinische Untersuchung
  • Evtl. Augenhintergrund
  • Toxoplasma- Antikörper-Suchtest ->
  • Toxoplasma-IgM-Antikörper-Test ->
  • Toxoplasma-Abklärungsverfahren ->
  • Beurteilung der Ergebnisse


Immunität kann angenommen werden bei:

  • IgG-AK pos plus IgM-AK neg
Trichomoniasis
  • Gynäkologische Untersuchung
  • Vaginaler Abstrich
Triple I
  • Temperaturmessung
  • Vitalparameter Mutter und Kind
  • CRP, Leukozyten im BB
  • Zervix-/Vaginalabstrich
  • Amniozentese
  • Postpartale Biopsie von Plazenta, Eihäuten, Nabelschnur zur Histopathologischen Untersuchung
Vorzeitiger Blasensprung
  • Gynäkologische Untersuchunng
  • Spekulumeinstellung, Nachweis von Vernix-Flocken
  • Ultraschalluntersuchung
  • Abstrich Mikrobiologie
  • Laborchemische Entzündungsparameter

Differentialdiagnosen

Das Feld der geburtshilflichen Infektionen umfasst eine große Anzahl verschiedenster Erreger und Erkrankungen. Eine gewissenhafte gynäkologische Untersuchung sowie eine geeignete mikrobiologische Umfeld Diagnostik sind daher ebenso wichtig wie eine interdisziplinäre Versorgung der Schwangeren.

Erkrankung Differentialdiagnose
Toxoplasmose Bei Lymphadenitiden im Halsbereich:
  • Malignom, z.B. M. Hodgkin
  • Streptokokken-Angina
  • Mononikleose (EBV)
  • Katzenkrankheit durch Bartonellen


Bei Ophtalmonolgie:

  • Troponema pallidum
  • Mycobacterium tubercolosis
  • CMV (bei immunsupprimierten)
  • Okkuläre Sarkoidose


Bei Enzephalitis:

  • Humanes Polyomavirus 2 (PML)
  • Aspergillose
  • Lymphom
  • Hirninfarkt


Erreger

Infektion Erreger
A-Streptokokken-Infektion Streptococcus pyogenes
Endometritis puerperalis
  • A-Streptokokken
  • Enterobacteriacea
  • Anaerobier
Episiotomie Wundinfektion Häufig Anaerobier
Wundinfektion

nach Sectio caesarea

  • A-Streptokokken
  • Staph. aureus
  • Enterobacteriacea
  • Anaerobier
  • Gardnerella vaginalis
Keuchhusten Bordetella pertusis
Listeriose Listeria monocytogenes
Lues Troponema pallidum
Mastitis puerperalis
  • Staphylococcus aureus
  • Gruppe B Streptokokken
  • koagulasenegative Staphylokokken
  • Streptococcus viridans
Puerperale Peritonitis
  • A-Streptokokken
  • Staph. aureus
  • Enterobacteriacea
  • Anaerobier
Puerperal-Sepsis
  • Meist Streptococcus pygenes (A-Streptokokken)
  • Selten: Streptococcus pneumoniae, Staph. aureus, Enterobacteriacea
Trichomoniasis Trichomonas vaginalis
Triple I
  • Streptokokken der Gruppe A und B
  • Staphylokokken
  • Anaerobier
  • E. colie
  • Enterokokken
Vorzeitiger Blasensprung
  • Gonokokken
  • Trichomonaden
  • Bakterien der Darmflora
  • Dysbiose bei bakterieller Vaginose


Therapie

Erkrankung Substanz Dosierung Dauer
A-Streptokokken-Infektion
  • Amoxicillin


Bei Penicillin-Allergie

  • Clindamycin


CAVE: Fluorchinole in Schwangerschaft kontrainduiziert und zudem schlecht wirksam

  • 3 x 1g p.o.


  • 3 x 600mg p.o.
  • 5 – (10) Tage


  • 5 – (10) Tage
Borreliose Amoxicillin oder Ceftriaxon


CAVE: Therapie nur bei klinischen Hinweise auf Infektion und/oder IgM Nachweis; Doxycyclin in der Schwangerschaft kontroindiziert

  • 3 x 1g p.o.
  • 1 x 2g i.v.
14 Tage
Campylobacter fetus und jejuni Infektion Erkrankung meist selbstlimitieren


Schwere Verläufe

Azythromycin

1 x 500mg p.o. 3 Tage
E. coli
Endometritis puerperalis Early-onset:
  • Ampicillin/Sulbactam plus Gentamycin


Late-onset

  • Piperacillin/Tazobactam plus Gentamycin
  • 2g/1g q8h i.v.


  • 4g/0,5g q8h i.v.


Bis 24h nach Entfieberung
Episiotomiewundinfekt Cefuroxim plus Metronidazol


Wenn chirurgische Intervention indiziert

1,5g q8h i.v. plus 500mg q12h i.v. 5 – 7 Tage
Gruppe-B-Streptokokken Amoxicillin/Sulbactam


Kind:

Wenn Mutter GBS Prophylaxe erhalten hat, Beobachtung des Neugeborenen für 48h.


Ohne angemessene Prophylaxe Beobachtung für 48h. Wenn Fruchtblase > 18h vor Geburt oder < 37 SSW dann BK,Blutbild, CRP. Weitere Therapie je nach Befund

2g/1g q8h i.v. 5 – 7 Tage
Harnwegsinfekt Fosfomycin 3g oral 1x
Herpes-Infektion Aciclovir 5 x 200 mg p.o.oder

3 x 400mg p.o.

5 – 10 Tage
Keuchhusten AzithromycinCAVE: antibiotische Therapie nur sinnvoll in Frühphase, also in der Zeit der Infektiosität
  • 1 x 500mg p.o.
  • 1 x 250mg p.o.
  • Tag 1
  • Tag 2 - 5
Listeriose Während der Schwangerschaft:
  • Ampicillin


Sepsis Kind (early-onset):

  • Ampicillin


Meningitis Kind (late-onset):

  • Ampicillin plus Gentamycin
2g q4h i.v.Pädiatrische Dosierung beachten
  • 21 Tage


  • 14 Tage


  • 21 Tage
Lues
  • Benzylpenicillin-Benzathin


Bei echter Penicillin Allergie:

  • Ceftriaxon
  • 2,4 Mio IE i.m.

Dosis auf zwei Punktionsstellen verteilt

  • 2g q24h
  • 1x pro Woche

über 3 Wochen

  • 3 Wochen
Mastitis puerperalis
  • Flocloxacillin oder

Cefazolin

  • Bei gesicherter Penicillin-Allergie

Clindamycin

  • 4 g q8h i.v.


  • 2 g i.v.600 mg q8h i.v.
  • 7 – 10 Tage


  • 7 – 10 Tage


Puerperale Peritonitis Cefuroxim plus Metronidazol 1,5g q8h i.v. plus

500mg q8h i.v.

7 – 10 Tage
Puerperal-Sepsis Cefuroxim plus Metronidazol 1,5g q8h i.v. plus

500mg q8h i.v.

7 – 10 Tage
Salmonellose Keine antibiotische Therapie empfohlen. Datenlage allerdings dünn.
Staph. aureus Infektion
  • Flucloxacillin oder
  • Cefazolin
  • 4g q8h i.v.
  • 2g q8h i.v.
Mind. 14 Tage, Kontrolle durch Blutkultur
Toxoplasmose[3] Spiramycin Ab 16. SSW:

Pyrimethamin plus

Sulfadiazin plus

Folinsäure

(CAVE: nicht Folsäure!)

3 x 1g p.o.


1. Tag 50mg p.o.

ab 2. Tag 25mg p.o.


4 x 1g p.o.


15mg p.o. (3x wöchentlich)

Bis zur 16. SSW


Falls im Ultraschall Hinweis auf eine Infektion des Feten, fortsetzen der Therapie bis zum Enden der Schwangerschaft

Trichomoniasis Ab 14. SSW:Metronidazol 2 x 500mg p.o. 5 – 7 Tage
Triple I Amoxicillin/Sulbactam


Empirische Therapie nach mikrobiologischen Befunden

2g/1g q8h i.v. 5 – 7 Tage
Vorzeitiger Blasensprung < 22+0 SSW:

Antibiotische Therapie bei Erhalt der Schwangerschaft, Indikation nicht

wissenschaftlich belegt, wird aber nach Expert:innenmeinung befürwortet


>= 22+0 - <34+0 SSW: Antibiotische Therapie

  • Amoxicillin/Sulbactam


Bei isoliertem Nachweis von GBS Deeskalation auf Penicillin G


> 34+0 SSW: Antibiotische Prophylaxe bis zur Geburt ist indiziert,

  • Amoxicillin/Sulbactam


  • Wenn die Dauer des Blasensprunges ≥ 18h beträgt
  • Wenn es zu einer Temperaturerhöhung der Mutter auf ≥ 38,0 °C unter der Geburt kommt








  • 2g/1g q8h i.v.






  • 2g/1g q8h i.v.
5 - 7 Tage
Wundinfekt nach Sectio caesarea Cefuroxim plus Metronifazol 1,5g q8h i.v.500 mg q12h i.v. 5 – 7 Tage
Zervizitis Je nach nachgewiesenem Erreger


Bei Kolonistation der Vagina:

Lokales Desinfektivum



Prophylaxe und Prävention

Prophylaxe und Prävention bearbeiten

(Autor*innen: Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat)

Bei rezidivierenden oder unspezifischen Fluor Kultur auf Gonokokken, Mykoplasmen und Chlamydien, da diese oft in der Mikroskopie nicht erkennbar sind. Immer HIV Test, ggf. auch Hepatitis C und E Serologie in der Schwangerschaft.

Insgesamt ist es unbedingt anzustreben, zum Zeitpunkt der Geburt alle Infektionen zu kennen und zu sanieren.

Erkrankung Prophylaxe
A-Streptokokken
  • Bei Scharlach in Umgebung der Schwangeren, Abstrich aus Rachen und Vagina. Vor Geburt zwingend erneuter Abstrich um Infektion des Kindes zu vermeiden.


  • Kolpitis/granulozytenreicher Fluor: Abstrich zur Mibi
  • Hautauschläge: A-Streptokokken Infektion in Betracht ziehen
  • Pyodermie: Abstrich aus Pusteln
  • Sectio caesarea: Perioperative Antibiotikaprophylaxe obligatorisch
Borreliose
  • Expositionsvermeidung
  • Rasches Entfernen der Zecke
Chlamydia trachomatis
  • Screening Untersuchung zu Beginn der Schwangerschaft
Gruppe-B-Streptokokken (GBS)
  • Screening der Schwangeren zwischen 35 + 0 und 37+ 0 SSW auf GBS
  • Ggf. intrapartale Antibiotikagabe an die Mutter
  • Ggf. postnatale Überwachung des Neugeborenen
  • Ggf. postnatale Antibiotikabehandlung der Mutter[4]
Mastitis puerperalis
  • Tragen eines BHs auch bei Nacht
  • Kühlende Umschäge
  • Brustwarzenpflege
  • Einweisung zum Stillen
Salmonellose
  • Beachtung Lebensmittelhygiene
  • Wenn Mutter Dauerausscheiderin ist, dann Vermeidung der Kontamination des Kindes unter Entbindung
  • Sectio caesarea nur bei hohem Risiko
STD
  • Aufklärung über STD
  • Verwendung von Kondomen
Toxoplasmose[5]
  • Keine rohen oder nicht ausreichend erhitzten oder gefrosteten Fleischprodukte
  • Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen
  • Waschen der Hände vor dem Essen
  • Waschen der Hände nach dem Zubereiten von rohem Fleisch, nach Garten-, Feld- oder anderen Erdarbeiten und nach dem Besuch von Sandspielplätzen
  • Beim Halten einer Katze innerhalb der Wohnung in der Umgebung der Schwangeren sollte die Katze mit Dosen- und/oder Trockenfutter ernährt werden. Die Kotkästen, insbesondere frei gehaltener Katzen sollten täglich durch Nicht-Schwangere mit heißem Wasser gereinigt werden
Sectio PAP 30 Min. vor Schnitt
  1. Rath, Werner, und Klaus Friese, Hrsg. Erkrankungen in der Schwangerschaft. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2005. https://doi.org/10.1055/b-002-54074.
  2. Robert-Koch-Institut. „SurvStat@RKI 2.0“. Zugegriffen 26. September 2020. https://survstat.rki.de/Content/Query/Create.aspx.
  3. Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“, 2018. https://doi.org/10.17886/EPIBULL-2018-051
  4. Martius (Federführung), J., U.B. Hoyme, R. Roos, A. Franz, P. Bartmann, und F. Pohlandt. „Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B“. In Leitlinien Kinder- und Jugendmedizin, B17.1-B17.8. Elsevier, 2015. https://doi.org/10.1016/B978-3-437-22061-6.50364-5.
  5. Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“, 2018. https://doi.org/10.17886/EPIBULL-2018-051

Weiterführende Literatur und Hilfestellungen

Weiterführende Literatur und Hilfestellungen bearbeiten

Petersen, E.: „Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe“, 1. Auflage 1988 (5 Aufl.), Stuttgart, Thieme Verlag, ISBN 978-3-13-722901-8.

  Meldepflichtige Erkrankungen in der Geburtshilfe laut Infektionsschutzgesetz (IfSG)


Erkrankung/Erreger Grundlage Meldung durch
Campylobatcer IfSG §7 Namentlich durch Labor
HIV IfSG §7 Namentlich durch Labor
Keuchhusten/

Bordetella pertusis

IfSG §6

IfSG §7

Namentlich durch Arzt/Ärztin

Namentlich durch Labor

Salmonella sp. IfSG §7 Namentlich durch Labor
Toxoplasma gondii IfSG §7 Namentlich durch Labor, nur bei konnataler Infektion
Treponema pallidum IfSG §7 Namentlich durch Labor

Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben.

Quellen

Martius (Federführung), J., U.B. Hoyme, R. Roos, A. Franz, P. Bartmann, und F. Pohlandt. „Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B“. In Leitlinien Kinder- und Jugendmedizin, B17.1-B17.8. Elsevier, 2015. https://doi.org/10.1016/B978-3-437-22061-6.50364-5.

Rath, Werner, und Klaus Friese, Hrsg. Erkrankungen in der Schwangerschaft. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2005. https://doi.org/10.1055/b-002-54074.

Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“, 2018. https://doi.org/10.17886/EPIBULL-2018-051.

Robert-Koch-Institut. „SurvStat@RKI 2.0“. Zugegriffen 26. September 2020. https://survstat.rki.de/Content/Query/Create.aspx.


Einzelnachweise