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Otitis media acuta

Kapitelinformationen
Stand: Juni 2021
Kapitelleitung: Masen Sueifan
Autor:innen: Hanni Bartels
Reviewer:innen: Klaus Pelz
Beteiligte Fachgesellschaften: dgi-logo.png
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Klinisches Bild

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Die Otitis media acuta ist eine plötzlich auftretende Erkrankung, die mit pulsierenden Ohrenschmerzen und Fieber einhergeht. Sie ist bei Kindern unter zwei Jahren der häufigste Grund für Ohrenschmerzen. Meist schließt sich die Otitis media acuta an einen Infekt der oberen Atemwege an.

Leitsymptome

  • Plötzlich auftretende Ohrenschmerzen
  • Fieber
  • Pochende Ohrengeräusche
  • Hörminderung (Schalleitungsschwerhörigkeit)
  • Eventuell druckschmerzhafter Processus mastoideus (seltene Komplikation)


Unterschied bakterielle vs. virale Otitis media acuta:

  • Spontane Trommelfellperforation mit Austritt von Eiter
  • Otorrhoe (wässrig gelber bis blutiger Ausfluss)


Epidemiologie

[1],[2]

Prävalenz: ca. 60% der Kinder unter 6 Jahren

Saison: Winter- und Frühlingsmonate

Prognose

  • Gute Prognose bei unkompliziertem Verlauf
  • Im Kindesalter ist ein persistierender Paukenerguß möglich
    • Durch Hörminderung ist eine schlechtere Sprachentwicklung möglich
    • Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Rezidive



Diagnostik

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Grundlage der Diagnostik ist die Anamnese und die klinische Untersuchung.

  • Zum Ausschluss einer Otitis externa prüfen des Tragus-Druckschmerzes

Otoskopische Untersuchung

Frühzeichen
  • Zentral am Hammergriff vermehrte Gefäßzeichnung, die im Verlauf radial ausstrahlen
  • Rötung des Trommelfells
  • Einziehung am Trommelfell
Spätzeichen
  • („schollige“) Trübung des Trommelfells und Verstreichen des Lichtreflexes
  • Paukenerguß (Vorwölbung, Spiegelbildung, Blasen)
  • Spontanperforation mit Otorrhoe

Mikrobiologie

  • Im Regelfall nicht erforderlich


Erreger


Bakterielle Erreger

  • S. pneumoniae
  • H. influenzae
  • S. pyogenes
  • M. catarrhalis
  • Staph.aureus

Virale Erreger

  • Respiratory-Syncytial-Virus (RSV)
  • Parainfluenza-Virus
  • Influenza-Virus
  • Enterovirus

Therapie

Eine antibiotische Therapie ist im Regelfall nicht notwendig und ist nur bei einer schweren Otitis media acuta indiziert.

Symptomatische Therapie

  • Xylometazolin Nasentropfen zur besseren Belüftung der Nasennebenhöhlen
  • Analgetische Therapie mit Ibuprofen oder Paracetamol


Kriterien für eine Therapie mittels Antibiotika

  • Alter unter 6 Monaten
  • Beidseitige Erkrankung in den ersten zwei Lebensjahren
  • Otorrhoe mit persistierenden Beschwerden (Schmerzen und/oder Fieber)
  • Patient:innen mit Risikofaktoren, u.a. Immundefizienz, schwere Grundkrankheiten, Influenza, Paukenröhrchen, kraniale Fehlbildungen


Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
schwere Otitis

media acuta

Therapie der Wahl Amoxicillin 50 mg/kg KG/d p.o. in 3 Einzeldosen 7 - 10 d - -
Alternative Cefuroxim (pädiatrisch) 10 mg/kg KG/d in 3-4 Einzeldosen 7 - 10 d Ab 14 Lj. 600 mg p.o. 2x/d -


Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Anpassungen Kommentar
schwere Otitis

media und Rezidive

Therapie der Wahl Amoxicillin / Clavulansäure 875/125 mg p.o. 3x/d 7 - 10 d - -
Alternative Cefpodoxim 200mg 2x/d p.o. 7 - 10 d - -

Bei der schweren Otitis media acuta ist gegebenenfalls eine Paukendrainage und/oder eine (Re-) Adenotomie notwendig.



Quellen

  • S2k-Leitlinie Ohrenschmerzen. Stand: 2014. Abgerufen am: 09.11.2020.
  • Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6
  • Hufnagel PD med M. DGPI-Handbuch: 6. Auflage (2013). DGPI: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. Accessed July 9, 2021. [1]
  • 053-009l_S2k_Ohrenschmerzen_2014-12-abgelaufen.pdf. Accessed July 9, 2021. [2]


Einzelnachweise

  1. http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-009.html S2k-Leitlinie Ohrenschmerzen. Stand: 2014. Abgerufen am: 09.11.2020.
  2. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6