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DGI:ZNS-Infektionen/Tuberkulose Meningitis/Therapie

Aus Infektiopedia
Version vom 10. September 2026, 10:29 Uhr von Kristina.jozic (Diskussion | Beiträge)
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Tabelle 3: First line Medikamente zur Behandlung der Tbc
Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Liquor Gängigkeit
Tuberkulöse Meningitis Therapie der Wahl Rifampicin 10 mg/kg KG, max 600 mg 12 Monate 10-20%
Isoniazid 5 mg/kg KG 12 Monate 80-90%
Pyrazinamid 25 mg/kg KG Ersten 2 Monate 90-100%
Ethamutolb *15 mg/kg KG Ersten 2 Monate 20-30%
Zusatz Vitamin B6 [1] 40 mg/d Mit INH -


Zusätzlich zur Therapie mit Tuberkulostatika [2][3][4][5] sollte Dexamethason oder Prednisolon verabreicht werden. Für Deutschland wird laut der S2k-Leitlinie beim Erwachsenen (> 15 Jahre) eine Prednisolon-Dosis von 2x40 mg/Tag empfohlen, welche nach 2-3 Wochen um jeweils 10 mg/Woche reduziert und ausgeschlichen wird [6][7].


Bei Resistenzen gegen die klassischen first line Tuberkulostatika wird die Therapie - insbesondere bei TBC-Meningitis - sehr (!) kompliziert und soll unbedingt mit Spezialisten, u.U. unter Einschaltung des nationalen TBC-Referenzzentrums in Borstel abgestimmt werden. Es wird hier auf die entsprechende Leitlinie verwiesen [8] .

Für pulmonale MDR/RR-TBC sind 6- oder 9-Monats-Regime etabliert bzw. WHO-empfohlen. Bei TBC-Meningitis sollte wegen ZNS-Beteiligung, schlechterer Evidenz, hoher Mortalität und häufig verlangsamtem radiologischem Verlauf im Regelfall länger behandelt werden.

Tab. 4. Therapiedauer bei resistenter TBC
Situation Pragmatische Dauer Kommentar
RR/MDR-TBM, FQ-sensibel, gutes Ansprechen Meist mindestens 18 Monate Individuell nach Klinik, MRT, Liquor/Erregernachweis und Toxizität
pre-XDR/XDR-TBM 18-24 Monate oder länger Spezialzentrum; wenige gesicherte wirksame ZNS-aktive Substanzen
Unzureichende Response, persistierende Kultur/PCR, ausgedehnte Tuberkulome Verlängerung prüfen Therapieversagen, Resistenz, Adhärenz, Resorption und paradoxe Reaktion unterscheiden
BPaL/BPaLM als Ausnahme/off-label bei TBM Nicht als Routine; Dauer nicht gesichert Nur dokumentierte Expertenentscheidung.


Die WHO-Empfehlung entspricht nicht automatisch einer unproblematischen praktischen Verfügbarkeit. In Deutschland/Europa sind Linezolid und Fluorchinolone breit verfügbar. Bedaquilin und Delamanid sind EMA-zugelassen für pulmonale MDR/RR-TBC in Kombinationsregimen. Pretomanid ist in Europa formal verfügbar, aber der Zugang war bzw. ist in vielen Ländern eingeschränkt; die Indikation bezieht sich ebenfalls auf pulmonale resistente TBC. Bei TBC-Meningitis ist die Anwendung neuer Substanzen häufig off-label und sollte mit Spezialzentrum, Krankenhausapotheke, Kostenträger und Referenzlabor abgestimmt werden [9] .


Tab. 5. Medikamentenverfügbarkeit bei resistenter TBC. FQ=Fluorchinolon
Medikament Deutschland/Europa Kommentar für TBM
Linezolid Bereit verfügbar Sehr wichtiger TBM-Baustein; Toxizität limitiert Dauer
BLevofloxacin/Moxifloxacin Bereit verfügbar Zentral bei FQ-Sensibilität; QT/Interaktionen beachten.
Bedaquilin (Sirturo) EMA-Zulassung für pulmonale MDR/RR-TB in Kombination; Spezialversorgung Für ZNS-TBC keine robuste klinische Datenbasis; individualisierte/off-label Entscheidung
Pretomanid (Dovprela) EMA-Indikation für Kombinationen bei pulmonaler RR/MDR/pre-XDR-TBC; Zugang in Europa teils eingeschränkt Bei TBM nicht Standard; Verfügbarkeit über Spezialzentrum/ Krankenhausapotheke prüfen.
Delamanid (Deltyba) EMA-Zulassung für pulmonale MDR-TBC, wenn kein anderes wirksames Regime zusammengesetzt werden kann Ergänzende Option; QT-Monitoring
Clofazimin Verfügbarkeit je nach Land/Versorgungspfad; in TBC-Zentren nutzbar Ergänzend; Hautverfärbung/QT-Monitoring
Cycloserin/Terizidon, PAS, Prothionamid Spezial-/Importversorgung möglich Für TBM je nach Resistenz und ZNS-Penetration relevant.
  1. ↑ Amagon KI, Awodele O, Akindele AJ. Methionine and vitamin B-complex ameliorate antitubercular drugs-induced toxicity in exposed patients. Pharmacol Res Perspect. 2017;5(5). doi:10.1002/prp2.360
  2. ↑ Schaberg T, Bauer T, Brinkmann F, et al. [Tuberculosis Guideline for Adults - Guideline for Diagnosis and Treatment of Tuberculosis including LTBI Testing and Treatment of the German Central Committee (DZK) and the German Respiratory Society (DGP)]. Pneumologie. 2017;71(6):325-397. doi:10.1055/s-0043-105954
  3. ↑ Wilkinson RJ, Rohlwink U, Misra UK, et al. Tuberculous meningitis. Nat Rev Neurol. 2017;13(10):581-598. doi:10.1038/nrneurol.2017.120
  4. ↑ Thwaites G, Fisher M, Hemingway C, et al. British Infection Society guidelines for the diagnosis and treatment of tuberculosis of the central nervous system in adults and children. J Infect. 2009;59(3):167-187. doi:10.1016/j.jinf.2009.06.011
  5. ↑ Chin JH. Tuberculous meningitis: Diagnostic and therapeutic challenges. Neurol Clin Pract. 2014;4(3):199-205. doi:10.1212/CPJ.0000000000000023
  6. ↑ Prasad K, Singh MB, Ryan H. Corticosteroids for managing tuberculous meningitis. Cochrane Database Syst Rev. 2016;4:CD002244. doi:10.1002/14651858.CD002244.pub4
  7. ↑ Thwaites GE, Nguyen DB, Nguyen HD, et al. Dexamethasone for the treatment of tuberculous meningitis in adolescents and adults. N Engl J Med. 2004;351(17):1741-1751. doi:10.1056/NEJMoa040573
  8. ↑ Lange C et al., Update: Therapie der medikamentenresistenten Tuberkulose (DR-TB) in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Aktualisierte Empfehlungen auf Basis der WHO-Leitlinien 2025. Pneumologie 2026; 80: 160–167. https://doi.org/10.1055/a-2731-0729
  9. ↑ Lange C et al., Update: Therapie der medikamentenresistenten Tuberkulose (DR-TB) in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Aktualisierte Empfehlungen auf Basis der WHO-Leitlinien 2025. Pneumologie 2026; 80: 160–167. https://doi.org/10.1055/a-2731-0729