Zum Inhalt springen

Achtung: Bitte beachten Sie unbedingt die Nutzungsbedingungen. Trotz sorgfältiger Prüfung wird keinerlei Haftung für die dargestellten Inhalte übernommen. Alle Inhalte richten sich ausschließlich an ein ärztliches Fachpublikum.

DGI:ZNS-Infektionen/Tuberkulose Meningitis/Klinisches Bild

Aus Infektiopedia

Klinische Situationen

Zu Beginn dominieren die typischen Symptome einer Meningitis wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Nackensteifigkeit. Wenn die Infektion unbehandelt bleibt, entwickeln sich zusätzlich Bewusstseinseintrübung sowie neurologische Ausfälle [1][2][3][4].

Die größten Risikofaktoren sind ein Alter < 1 Jahr sowie eine HIV-Co-Infektion.

Eine Komplikation der Tuberkulose-Infektion ist das IRIS (Immunrekonstitutionssyndom), welches v.a. bei einer Co-Infektion mit HIV auftritt. In einer prospektiven südafrikanischen Studie trat ein IRIS bei tuberkulöser Meningitis in 47% auf und war mit einer Mortalität bis zu 30% assoziiert [5].

Epidemiologie

  • Inzidenz viraler Enzephalitiden liegt zwischen 3,5 bis 7,5 Fällen pro 100.000 Einwohnern.
  • höchste Inzidenz bei jüngeren und älteren Menschen.
  • aktive Impfungen haben zum Rückgang bestimmter viraler Enzephalitiden geführt (z.B. Mumpsimpfung 1980).
  • bei Immunsupprimierten (AIDS-, Transplantations- oder Chemotherapiepatienten) liegen bestimmte Virus-Inzidenzen höher (z.B. EBV, CMV).
  • wichtige epidemiologische Faktoren sind Jahreszeit, Geographie und Exposition gegenüber Tieren/Insekten.
Tab.1. Übersicht der verschiedenen Erreger und spezifischen Besonderheiten
Erreger/Gruppe Epidemiologische Bedeutung in Deutschland/Europa Risikogruppen/Saison/Region Literatur
HSV-1 Wichtigste sporadische, behandelbare virale Enzephalitis bei Erwachsenen; geschätzte Inzidenz der HSV-Enzephalitis ca. 1-3/Million/Jahr. Alle Altersgruppen; schwerer Verlauf häufiger bei älteren Patienten; keine klare Saison. 1,2,5,6
HSV-2 Häufiger Ursache viraler Meningitis als klassischer Enzephalitis; relevant bei Neonaten, Immunsuppression und rezidivierender lymphozytärer Meningitis. Neonaten; immunsupprimierte Patienten; Erwachsene mit genitaler HSV-2-Infektion. 1,2,5
VZV Eine der wichtigsten Herpesvirus-Ursachen von ZNS-Infektionen in Europa; neben Enzephalitis auch Meningitis, Myelitis, Hirnnervenbeteiligung und Vaskulopathie. Ältere Patienten, Immunsuppression, Zoster-Anamnese; Auftreten auch ohne Exanthem möglich. 1,2,5,6
Enteroviren Häufige Ursache viraler Meningitis/Meningoenzephalitis, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen; in deutschen/europäischen Serien häufig nachgewiesen. Sommer/Herbst; Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene; Ausbrüche möglich. 1,4
FSME-Virus Zentrale regionale, impfpräventable Enzephalitis in Deutschland/Mitteleuropa; RKI weist Risikogebiete v.a. in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, Südost-Thüringen sowie weiteren Regionen aus; Ausweitung nach Norden/Osten wird beobachtet. Zeckenexposition; Frühling bis Herbst, zunehmend längere Saison; schwere Verläufe häufiger bei älteren Erwachsenen 1,7,8
West-Nil-Virus Zunehmend relevante Arbovirose in Europa; autochthone Infektionen in Deutschland seit 2019 beschrieben; ECDC berichtet für 2025 lokale Fälle aus mehreren europäischen Ländern, einschließlich Deutschland. Mückensaison Sommer/Herbst; höheres Risiko neuroinvasiver Erkrankung bei Alter und Immunsuppression. 0-12
EBV/ CMV/ HHV-6 Insgesamt seltener als HSV/VZV/Enteroviren, aber klinisch wichtig bei Immunsuppression; CMV und HHV-6 v.a. bei HIV, Transplantation oder hämatologischen Erkrankungen. Immunsuppression, Transplantation, HIV, Chemotherapie/Biologika. 1,2,5,15
Masern/ Mumps/ Röteln Bei hoher Impfquote selten, aber bei Impflücken/Ausbrüchen weiterhin relevant; Masern können akute Enzephalitis, ADEM, MIBE und SSPE verursachen. Ungeimpfte, Immunsupprimierte, Ausbrüche, Reise-/Migrationsexposition. 1,2,13
Tollwut/ Lyssaviren In Deutschland extrem selten, aber wegen nahezu 100% Letalität nach Symptombeginn immer wichtig bei passender Reise-, Tierbiss- oder Fledermausanamnese. Tierbiss, Fledermauskontakt, Reisen in Endemiegebiete. 1,2,14
  1. ↑ Schaberg T, Bauer T, Brinkmann F, et al. [Tuberculosis Guideline for Adults - Guideline for Diagnosis and Treatment of Tuberculosis including LTBI Testing and Treatment of the German Central Committee (DZK) and the German Respiratory Society (DGP)]. Pneumologie. 2017;71(6):325-397. doi:10.1055/s-0043-105954
  2. ↑ Wilkinson RJ, Rohlwink U, Misra UK, et al. Tuberculous meningitis. Nat Rev Neurol. 2017;13(10):581-598. doi:10.1038/nrneurol.2017.120
  3. ↑ Ducomble T, Tolksdorf K, Karagiannis I, et al. The burden of extrapulmonary and meningitis tuberculosis: an investigation of national surveillance data, Germany, 2002 to 2009. Euro Surveill. 2013;18(12):20436.
  4. ↑ Thwaites G, Fisher M, Hemingway C, et al. British Infection Society guidelines for the diagnosis and treatment of tuberculosis of the central nervous system in adults and children. J Infect. 2009;59(3):167-187. doi:10.1016/j.jinf.2009.06.011
  5. ↑ Wilkinson RJ, Rohlwink U, Misra UK, et al. Tuberculous meningitis. Nat Rev Neurol. 2017;13(10):581-598. doi:10.1038/nrneurol.2017.120