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Durchfallerkrankungen

Kapitelinformationen
Stand: Juni 2021
Kapitelleitung: Maria Vehreschild
Autor:innen: Ludwig Grüter

Roger Vogelmann Marcus Schmitt Harun Azzaui Nathalie Jazmati Imke Wieters Claudia Denkinger Verena Faehling

Reviewer:innen: Anette Friedrichs
Beteiligte Fachgesellschaften: dgi-logo.png

Diarrhoen stellen ein häufiges Symptom in der ambulanten und stationären Versorgung dar. Die differentialdiagnostische Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein. Nur in einem Teil der Fälle liegt ursächlich eine Infektion vor, die durch eine Vielzahl bakterieller, viraler und parasitärer Erreger bedingt sein kann. Das klinische Spektrum reicht von Befindlichkeitsstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Kolitiden. Die einzusetzende Diagnostik und ggf. empirische Therapie werden maßgeblich vom klinischen Setting bestimmt.


Klinisches Bild

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Klinische Situationen

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Weltweit:

  • Ca. 500 Millionen Fälle pro Jahr
  • Ca. 5-10 Millionen Todesfälle pro Jahr (insb. Kleinkinder)

Akute Diarrhoe in Deutschland:

  • Ca. 250.000 gemeldete Fälle pro Jahr (hohe Dunkelziffer)
    • Stationäre Aufnahme bei ca. 1/400 Patient:innen
    • Todesfälle ca. 3/100.000
  • Erreger:
    • 40% viral (insb. Norovirus, auch Rotavirus)
    • 20% bakteriell (insb. Campylobacter, auch Salmonellen)
    • Weitere, nicht-infektiöse Ursachen

Reisediarrhoe:

  • Häufigste Reiseerkrankung (bis 60% der Reisenden)
  • Erreger:
    • Meist ETEC (bis 70%)
    • Je 5-15% andere E. coli, Salmonellen, Campylobacter, Shigellen
    • 5-10 % Protozoen
    • 5-10% Viren (Rota-, Norovirus)

Leitsymptome

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Akute Diarrhoe: ≥3 ungeformte Stuhlgänge innerhalb von 24h

Chronische Diarrhoe: Diarrhoe ≥3 ungeformte Stuhlgänge > 4 Wochen

Begleitsymptome Warnsymptome
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Schleimbeimengungen im Stuhl
  • Grippale Allgemeinsymptome
  • Hämatochezie
  • Nächtliche Diarrhoe
  • Gewichtsverlust
  • Exsikkose / Hypotonie
  • Verwirrung
  • Fieber
  • Abdominelle Schmerzen

CAVE: Warnsymptome bei Durchfallerkrankungen sind:

  • Hämatochezie
  • Nächtliche Diarrhoe
  • Gewichtsverlust
  • Exsikkose / Hypotonie
  • Verwirrung
  • Fieber
  • Abdominelle Schmerzen

Prognose

Klinisches Bild/Prognose bearbeiten
  • Akute unkomplizierte Diarrhoe: sehr gute Prognose
  • Ansonsten je nach Verlauf und Komplikationen
  • Risikofaktoren für komplizierten Verlauf: Immunsuppression, sehr junges oder hohes Alter, Multimorbidität

Diagnostik

Diagnostik bearbeiten

Anamnese, insb. mit Hinblick auf Warnsymptome (s.o.)

  • Symptomatik und Dauer
  • Flüssigkeitsaufnahme und -ausscheidung
  • Vorerkrankungen und Medikamente, insb. Immunsuppression und stattgehabte Antibiosen
  • Reiseanamnese
  • Umgebungs- und Berufsanamnese (Kita/Pflegeheim o.Ä., weitere Erkrankungen)
  • Zeitlicher Zusammenhang mit Nahrungsaufnahmen (Infektion vs. Intoxikation)


Körperliche Untersuchung

  • Vitalparameter
  • Abdomenstatus inkl. Peritonismus-Zeichen
  • Weitere körperliche Untersuchung inkl. Herz, Lunge, orientierend neurologisch

(Zeichen systemischer Beteiligung?)


Ausreichend bei akutem, unkompliziertem Verlauf und fehlenden Warnsymptomen/ Risikofaktoren

Weitere Diagnostik bei:

  • Hämatochezie
  • Immunsuppression
  • Chronischer Diarrhoe
  • Beschäftigung im Lebensmittelbereich / in Gemeinschaftseinrichtungen
  • Nosokomialer Diarrhoe (>72h nach Aufnahme)
  • Stattgehabter Antibiotikaeinnahme (<3 Mo. Zurück)
  • Schweren Vorerkrankungen (z.B. Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz)


Labordiagnostik bei Warnsymptomen/ Risikofaktoren:

Stuhldiagnostik mittels Inspektion (blutig, nicht-blutig, Beschaffenheit), ggf. Blutentnahme: insb. Blutbild, Elektrolyte, Retentionsparameter, CRP bei klinisch schwerem Verlauf und Blutkulturen bei Fieber. Ein Überblick über die im Regelfall initial abzuklärenden Erreger gibt Tabelle 5. Bzgl. der, für die Stuhldiagnostik zu verwendenden Tests besteht aktuell ein ausgeprägter Trend weg von der Kultur/Mikroskope und hin zur PCR. Je nach lokalem Standard können dementsprechend unterschiedliche diagnostische Ansätze zur Anwendung kommen (s.Tabelle 1).


Präanalytik:

Für die mikrobiologischen Diagnostik sind primär Stuhlproben geeignet, Abstriche nur in Ausnahmefällen. Bei der Probengewinnung ist auf ein Einhalten der Hygienemaßnahmen zu achten. Kontaminationen z.B. mit Toilettenspülwasser oder anderen sanitären Oberflächen sollte vermieden werden. Stationär ist eine Abnahme aus einem sauberen Gefäß möglich. Ambulante Patienten können den Stuhlgang ebenfalls in der Toilette mit geeigneten Materialen abfangen und eine Probe davon entnehmen.

Für die mikrobiologische Diagnostik genügt eine mit dem Löffelchen des Stuhltransportröhrchens gewonnen erbsengoße Stuhlprobe. Sollten zusätzlich auch noch parasitologische und / oder virologische (z.B. Antigenbestimmung) Untersuchungen angefordert werden, bietet es sich an die doppelte Menge oder mehrere Proben einzuschicken.

Der Transport der Stuhlproben in das Labor sollte im Idealfall nicht länger als 4 Std betragen. Bei einem längeren Zeitraum empfiehlt sich die Kühlung der Proben auf etwa 3 – 4°. Virologische Proben können unter Umständen auch nach längerer kühler Lagerung verarbeitet werden. Parasitologische Untersuchungen sollten möglichst an 3 unabhängigen Proben durchgeführt werden.

Tabelle 1: Basisdiagnostik bei im Krankenhaus und ambulant erworbener Diarrhoe
Situation Erregerdiagnostik
Im Krankenhaus erworbene Diarrhoe (> 72 h nach Hospitalisierung) Initiale Abklärung:
  • Clostridioides difficile
  • Norovirus

Erweiterte Abklärung:

  • Adenovirus, Astrovirus, Enterovirus, Rotavirus
  • Parasiten und Helminthen
  • Alternative Ursachen, z.B. medikamenteninduziert
Ambulant erworbene Diarrhoe (< 72 h nach Hospitalisierung) Initiale Abklärung:
  • Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter, enteropathogene E. coli
  • Clostridioides difficile nur falls kürzlich stattgehabte Antibiotika- oder Chemotherapie

Erweiterte Abklärung:

  • Adenovirus, Astrovirus, Enterovirus, Rotavirus
  • Parasiten und Helminthen
  • Alternative Ursachen, z.B. medikamenteninduziert
Reise-/Migrationsanamnese UND Diarrhoe > 5 Tage / Hämatochezie / schwerer Verlauf / Gruppenerkrankung Parasiten: E. histolytica, G. lamblia, C. cayatenensis, S. stercoralis

Bakterien: Campylobacter spp., Salmonella spp., Shigella spp., Y. enterocolitica, Aeromonas spp., EPEC

Chronische Diarrhoe: zusätzlich Cryptosporidien

Bei Fieber: Blutkulturen (mind. 2), Malariadiagnostik


Zusätzlich:

  • Bei Beschäftigung / Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen, Kindern:
    • Virologie-PCR: Noro-, Adeno-, Rotaviren
  • Bei Nachweis von Salmonellen (Gefahr septischer Absiedelung):
    • Blutkulturen (bis negativ)
    • Abdomensonographie


Differentialdiagnostik

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten/Allergien (u.U. postinfektiös, insb. Laktoseintoleranz)
  • Genussmittel, z.B. Alkohol, Koffein, Nikotin
  • Paradoxe Diarrhoe (CAVE Malignome)
  • Pseudodiarrhoe (erhöhte Stuhlfrequenz bei normaler Konsistenz und Menge)
  • Medikamentös: Laxantienabusus, Medikamentennebenwirkung
  • Kolitis anderer Genese (chronisch entzündlich, ischämisch)
  • Endokrin (z.B. Hyperthyreose, Serotonin-Syndrom)
  • Zoeliakie
  • Pankreasinsuffizienz
  • Nicht-infektiöse Intoxikation (z.B. Histamin, Schwermetalle, Pilze, Schalentiere)


Erreger

Tabelle 2: Bakterien als Auslöser einer Diarrhoe
Bakterien
Erreger Inkubationszeit Klinische Symptomatik Komplikationen
Campylobacter spp. 2 - 5 Tage • Häufig Prodromi: Myalgie, Kopfschmerzen, Fieber

• Wässrige (später blutige) Durchfälle und Tenesmen

• Asymptomatische Verläufe häufig

• Dauer bis 7 Tage

• Reaktive Arthritis

• Guillain-Barré-Syndrom

• Myokarditis

• Protrahierte, disseminierte (insb. C. coli) und chronische Verläufe möglich bei Immunsuppression

Clostridioides difficile Antibiotika-assoziiert (bis zu 4 Wo. nach Absetzen) • Variable Symptomatik

• Diarrhoen (blutig bis wässrig, übelriechend)

• Pseudomembranöse Kolitis

• Risiko je nach Antibiotikatherapie: Anzahl der Antibiotika und Therapiedauer, Wahl des Antibiotikums (insb. Clindamycin, Fluorchinolone, Cephalosporine ab der 2. Generation)

• Weitere Risikofaktoren: PPI/H2-Blocker, Alter, Hospitalisierungen, Gemeinschaftseinrichtung, abdominelle Chirurgie, Nasensonde, Begleiterkrankungen

• Toxisches Megakolon

• Rezidive

Enteritis-Salmonellen (nicht typhöse Salmonellen) 12 - 26 h • Wässrige Diarrhoe, Brechreiz (Erbrechen) und Fieber (38°-39°C)

• Dauer 4-10 Tage

• Septische Absiedelungen (5%)

• Reaktive Arthritis

• Dauerausscheider (>4 Wochen): <1%

Salmonella typhi

Salmonella paratyphi

10 - 21 Tage • Prodromalstadium:

Kopf-/ Gliederschmerzen

• 1. Krankheitswoche: staffelförmig ansteigendes hohes Fieber (bis Kontinua) mit Bewusstseinstrübung (ca. 7-14 Tage), Leukopenie, relative Bradykardie

• 2.-3. Krankheitswoche Organmanifestation: Splenomegalie, Typhome, Haut-Roseolen (septische Embolien), Obstipation, breiige Durchfälle

• Darmperforation

• Peritonitis

• Tod (<1%)

• Dauerausscheider (>1 Jahr): 5% (erhöhtes Risiko für Gallenblasenkarzinom)

Yersinia enterocolitica

Yersinia pseudotuberculosis

(selten)

4 - 7 Tage • Subakuter Verlauf

• breiige Durchfälle, Fieber, Bauchschmerzen

• selten Erbrechen

• Pseudoappendizitis (10.-30. LJ)

• Dauer: wenige Tage bis max. 2 Wochen

• Sepsis

• Nach wenigen Tagen bis zu 1 Monat: reaktive Arthritis, Erythema nodosum, Myokarditis (unabhängig von Antibiotikagabe)

Shigella spp. Enteroinvasive E.coli

(EIEC)

12 - 96 h • Wässrige Diarrhoe bis hin zu blutig-eitriger Diarrhoe mit Fieber, Tenesmen, Koliken (Shigellenruhr)

• Kopfschmerzen

• Allgemeinsymptome

• Dauer: ca. 7 Tage

Selten:

• Kolonblutung

• Kolonperforation

• HUS

• reaktive Arthritis

Enterohämorrhargische E. coli (EHEC) 3 - 4 Tage • Übelkeit, Erbrechen

• Diarrhoe, häufig blutig (10-20%)

• Bauchschmerzen

• Dauer ca. 7 Tage

• V.a. bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Patienten und Immunsupprimierten

• HUS (6-9%): nach 5-10 Tagen, insb. bei Kindern
Enteropathogene E. coli (EPEC) 12 h - 6 Tage • Säuglingsenteritis: meist < 6. LM

• Erbrechen

• Wässrige bis breiige Diarrhoe

Enterotoxinogene E. coli (ETEC) 24 h • Reisediarrhoe: Mexiko, sub-Sahara Afrika, Südasien

• Übelkeit, selten Erbrechen und wässrige Diarrhoe

• Dauer: 1-5 Tage

Enteroaggregative E. coli (EAEC) • Diarrhoe bei Kindern, Erwachsenen, Reiserückkehrern und HIV-Patienten

• Dauer im Mittel 3 Tage

• Auch asymptomatische Verläufe

Toxinbildende O1/0139-positive Vibrio cholerae • Stunden bis wenige Tage • Hauptsächlich Südostasien, Südamerika, West- und Zentralafrika in Zusammenhang mit mangelhaften hygienischen Zuständen

• Akut, reiswasserartige Durchfälle (bis zu 20 Liter pro Tag!)

• Asymptomatische Verläufe beschrieben

• Dauer: ca. 5 Tage

• Metabolische Azidose

• Elektrolytstörungen, insb. Hypokaliämie

• Hypoglykämie

• Volumenmangelschock

Aeromonas spp. • Insb. im Sommer nach Wasserkontakt

• Wässrige Diarrhoe, meist selbstlimitierend

• Ggf. Fieber, Bauchschmerzen, Hämatochezie

• HUS

• Selten Sepsis (insb. bei Immunsuppression)

Weitere bakterielle Toxinbildner (C. perfringens, S. aureus, B. cereus) • 0,5-16 h nach Nahrungs-Aufnahme • Diarrhoe und Bauchschmerzen

• Ggf. Erbrechen

• Dauer 12-24 h

• C. perfringens: Nekrotisierende Colitis
Tabelle 3: Viren als Auslöser einer Diarrhoe
Viren
Erreger Inkubationszeit Klinische Symptomatik Komplikationen
Norovirus 6 - 50 h • Akuter Verlauf

• Übelkeit, schwallartiges Erbrechen

• Abdominelle Krämpfe

• Starke Diarrhoe

• Kopf- und Muskelschmerzen

• Fieber

• Dauer: 2-3 Tage

• Chronische Verläufe bei Immunsuppression
Rotavirus 1 - 3 Tage • Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder

• Diarrhoe, Erbrechen, Fieber

• Dauer: 4-7 Tage

• Chronische Verläufe bei Immunsuppression
Adenoviren

(insb. Typ 40 und 41)

Bis 12 Tage • Wässrige Diarrhoe

• Fieber

• Erbrechen

• Dauer 8-12 Tage

Astroviren 2 - 4 Tage • Diarrhoe, Bauchschmerzen

• Allgemeinsymptome mit erhöhter Temperatur

• Übelkeit, ggf. Erbrechen

• Eher milder als Noro-/Rotavirus

• Dauer bis 5 Tage

Tabelle 4: Protozoen als Auslöser einer Diarrhoe
Protozoen / eukaryontische Einzeller
Erreger Inkubationszeit Klinische Situationen Komplikationen
Giardia lamblia 2 - 10 Tage • Akute, wässrige-schleimige übel-riechende, entfärbte, voluminöse Diarrhoe

• Oberbauchschmerzen, Magenkrämpfe, Meteorismus

• Dauer sehr unterschiedlich

• Auch asymptomatische Verläufe

• Intermittierende Laktose-Intoleranz (20-40%)

• Chronisch-rezidivierende Verläufe mit Malabsorption und Gewichtsverlust

Entamoeba histolytica Wochen bis Monate • Asymptomatische Verläufe (häufig)

• Breiige, später blutige Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Fieber

• Toxisches Megakolon

• Nekrotisierende Kolitis

• Septische Absiedlungen, insb. Amöben-Leberabszess / Amoebom (Monate bis Jahre nach Infektion)

Cryptosporidien 2 - 14 Tage • Wässrige/schleimige Diarrhoe,

• Oft mild bis asymptomatisch

• Schwere Verläufe bei Kindern und Immunsupprimierten

• Dauer meist 5-14 Tage

• Cholangitis

• Rezidive

Mikrosporidien • Wässrige Diarrhoe mit Gewichtsverlust

• Insb. bei Kindern und Immunsupprimierten

• Chronischer Verlauf, bis Jahre

• Cholangitis, Cholezystitis
Cyclospora (z.B. C. cayatenensis) 1 - 11 Tage • Wässrige Diarrhoe

• Grippale Allgemeinsymptome

• Dauer 1-7 Wochen

• Insb. Immunsupprimierte und ältere Patienten

• Chronische Verläufe, Rezidive

• Bei Immunsuppression: Hämatochezie, Cholangitis, Dissemination, reaktive Arthritis

Cystoisospora 1 Woche • Wässrige Diarrhoe, Bauchschmerzen

• Allgemeinsymptome

• Dauer 2-3 Wochen

• Assoziiert mit Eosinophilie

Tabelle 5: Helminthen als Auslöser einer Diarrhoe
Helminthen
Erreger Inkubationszeit Klinische Symptomatik Komplikationen
Strongyloides stercoralis 2 - 10 Tage • Oft asymptomatisch

• Oberbauchschmerzen

• Übelkeit, Erbrechen

• Chronische wässrige Diarrhoe, ggf. im Wechsel mit Obstipation

• Bei chronischer Infektion: rekurrente Larva currens (lokale filiforme Dermatitis)

Insb. bei Immunsuppression:

• Generalisierung / Hyperinfektionssyndrom

Weitere Helminthen (z.B. T. trichuria, A. duodenale, S. mansoni, A. lumbricoides) • I.d.R. asymptomatisch, ansonsten mild

• Bauchschmerzen, Diarrhoe, Malabsorption

• Übelkeit

• Chronische Verläufe mit AZ-Reduktion, ggf. Anämie

Therapie

Tabelle 6: Empirische Therapie der akuten Diarrhoe ohne Erregernachweis
Klinische SItuationen Therapie 1. Wahl Therapie 2. Wahl Komplikationen/Hygiene Hinweise/Meldepflicht
Ambulant erworben (≤72h stationär)

Keine Immunsuppression

Keine Zeichen der schweren Dehydratation/Sepsis

Ambulante, supportive Therapie mit oraler Flüssigkeits- und Elekrolytzufuhr


Keine empirische antimikrobielle Therapie

Häufig selbstlimitierend


Schonkost


Ggf. Antiemetika (z.B. Metoclopramid)


Ggf. Analgetika (z.B. Metamizol)


Ggf. Spasmolytika (z.B. N-Butylscopalamin)


Motilitätshemmer (z.B. Loperamid) vermeiden


(Allenfalls über max. 2 Tage bei unkompliziertem Verlauf)

Ggf. antisekretorische Substanzen (z.B. Racecadotril)

Nosokomial erworben (>72h stationär) oder ambulant erworben plus

Immunsuppression und/oder

Zeichen der schweren Dehydratation/Sepsis

Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich


Keine primär empirische antimikrobielle Therapie


Häufig selbstlimitierend


Schonkost


Ggf. Antiemetika (z.B. Metoclopramid)


Ggf. Analgetika (z.B. Metamizol)


Ggf. Spasmolytika (z.B. N-Butylscopalamin)


Motilitätshemmer (z.B. Loperamid) vermeiden (allenfalls über max. 2 Tage bei unkompliziertem Verlauf)


Ggf. antisekretorische Substanzen (z.B. Racecadotril)

Bei schweren Verläufen oder Verläufe >3 Tage


(NACH Abnahme der Stuhldiagnostik):


• Azithromycin 1x 500 mg oral für 3 Tage oder

• Ciprofloxacin 2x 500 mg oral für 3-5 Tage

• (Alternativ Ciprofloxacin 2x 400 mg i.v. für 3-5 Tage oder Ceftriaxon 1x 2g i.v. für 3-5 Tage)

Isolation bei Krankenhausaufnahme bis 48h durchfallfrei
Nach Fernreise Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich·


Keine primär empirische antimikrobielle Therapie bei leichten Verläufen keine motilitätshemmende Therapie


Bei blutiger Diarrhoe, Fieber oder Risikopatienten (Immunsuppression):


Azithromycin 1x 500 mg p.o. für 3 Tage (alternativ Azithromycin 1000 mg einmalig

oder Ciprofloxacin 2 x 500 mg oral für 3-5 Tage (alternativ Ciprofloxacin 2x 400 mg i.v. für 3-5 Tage)


Bei dringendem V.a. eine invasive Infektion mit Amöben (Entamoeba histolytica)


Metronidazol 3 x 10 mg/kg KG/d (max. 3 x 800 mg/d) i.v. oder oral über 10 Tage/d+ Paromomycin 3 x 500 mg/d (25-30mg/kg KG/d) in 3 ED (3 x 2 Kps. à 250mg/d) oral über 10 Tage

Isolation bei Krankenhausaufnahme bis 48h durchfallfrei


Frühzeitiger Kontakt Tropeninstitut zur weiteren Diagnostik und ggf Therapie.


Bei komplizierenden Faktoren (zB. Leberabszess), Kontakt spezialisiertes Zentrum/Tropeninstitut.



Tabelle 7: Gezielte Therapie bei Erregernachweis
Erreger Nachweismethode Therapie 1. Wahl Therapie 2. Wahl
Clostridioides difficile Zweischrittiges Verfahren. Screening Assay: Glutamat-Dehydrogenase ELISA oder PCR

Bestätigung: Toxin ELISA


Alternativ:

Nachweis von Pseudomembranen in der Koloskopie

Auslösende Antibiotika-Therapie (sofern möglich) beenden!


Initiale Episode:

Vancomycin 4x 125 mg p.o. über 10 Tage ODER

Fidaxomicin 2x 200 mg p.o. über 10 Tage ODER

Metronidazol 3x 400 mg p.o. (nur in leichten Fällen ohne nennenswerte Komorbiditäten)


Rezidiv:

Fidaxomicin 2x 200 mg p.o. über 10 Tage ODER

Vancomycin 4x 125 mg p.o. über 10 Tage (falls vorher noch nie erhalten)


Orale Therapie unmöglich:

Metronidazol 500 mg 3x/d i.v. über 10 Tage + Vancomycin 500 mg 4x/d per Magensonde über 10 Tage

Jeweils die in der ersten Episode nicht verabreichte Option
Enteritis-Salmonellen (nicht typhöse Salmonellen) Stuhlkultur Indikation Antibiotikatherapie:

• Systemische Infektion (Fieber)

• Blutstrominfektion

• Immunsuppression

• Hämodialysepatienten

• (Vorliegen von Gefäßprothesen, Aneurysmata, Fremdmaterial im Körper)


Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. bzw. 2x 400 mg i.v. für 5-7 Tage (bei Immunsuppression je 14 Tage)

Ceftriaxon 1x 2 g i.v. für 5-7 Tage (bei Immunsuppression 14 Tage)
Salmonella typhi

Salmonella paratyphi

Inkubationszeit: Blutkulturen


1. Woche: Kultur aus Blut, KM, Gewebe


Ab 2. Woche: Stuhlkultur


Ggf. Serologie

Empirisch (vor Antibiogramm):

Ceftriaxon 2x 1 g i.v. für 10-14 Tage


Mittel der Wahl wenn sensibel getestet: Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. ODER 2x 400 mg i.v für 7-10 Tage

Azithromycin 1x 1000 mg oral für 5-7 Tage ODER


Ceftriaxon 1x 2 g i.v. für 10-14 Tage

Shigella spp.

Enteroinvasive E.coli

(EIEC)

Stuhlkultur, ggf. -PCR (ipah-Gen) Bei akuter Infektion immer Therapie (nach Resistenztestung):

Azithromycin 1x 500 mg p.o. für 3 Tage

(insb. bei Asienreisenden aufgrund hoher Ciprofloxacinresistenz) ODER

Ciprofloxacin 2x 500mg p.o. bzw 2 x 400 mg i.v. für 3-5 Tage

(Bei Immunsuppression Therapiedauer je 5-7 Tage)

Bei Vorliegen von Resistenzen nach Antibiogramm therapieren
Campylobacter spp. Stuhlkultur, ggf. -PCR Indikation Antibiotikatherapie:

• Beschwerden >1 Woche

• Immunsuppression

• Hohes Fieber, stark blutige Diarrhoe


Azithromycin 1x 500 mg p.o. für 3 Tage

Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. für 3 Tage
Yersinia enterocolitica

Yersinia pseudotuberculosis

Stuhlkultur, ggf. -PCR Indikation Antibiotikatherapie:

• schweres Krankheitsbild

• fehlende klinische Besserung nach 2 Wochen

Enterokolitis:

Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. bzw. 2x 400 mg i.v. für 5-7 Tage (bei Immunsuppression ggf. länger)

Cotrimoxazol 2x 875 mg p.o. ODER i.v. für 7-14 Tage
Bakteriämie:

Ceftriaxon 1x 2 g i.v. für 7-14 Tage (bei Immunsuppression ggf. länger)

Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. bzw. 2x 400 mg i.v. für 7-14 Tage
Aeromonas spp. Stuhlkultur, ggf. -PCR Indikation:

• Chronischer Verlauf

• Sepsis

Kontakt zu Infektiologie

Enterohämorrhargische E. coli (EHEC) Stuhlkultur, -PCR (Shigatoxin 1 / 2) Keine Antibiotikatherapie

(CAVE: begünstigt Auftreten von HUS)

Enteropathogene E. coli (EPEC), entero-toxinogene E. coli (ETEC) Stuhlkultur, ggf. -PCR Keine Antibiotikatherapie, selbstlimitierend!
Enteroaggregative E. coli (EAEC) Stuhlkultur, ggf. -PCR Indikation Antibiotikatherapie:

• Immunsuppression

• Dauer >14 Tage (sehr selten)


Ciprofloxacin 2x 500 mg p.o. ODER 2 x 400 mg i.v. für 3-5 Tage (5-7 Tage bei Immunsuppression)

Toxinproduzierende O1/0139-positive Vibrio cholerae Stuhlkultur und direkte Stuhlmikroskopie, ggf. PCR Wichtigste Maßnahme: Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich!


Ciprofloxacin 1 g als Einmaldosis

Azithromycin 1 g als Einmaldosis
Weitere Toxinbildner Bezug zur Nahrungs-Aufnahme Symptomatisch, keine antibiotische Therapie
Noro-, Rota-, Adeno-, Astroviren Stuhl-PCR Symptomatisch
Giardia lamblia Stuhl-Mikroskopie und -PCR Indikation:

• Symptomatische Patienten

• Asymptomatische Patienten mit Kontakt zu Immunsupprimierten/Schwangeren


Metronidazol 3x 500 mg p.o. für 5-7 Tage,

zudem laktosefreie Ernährung für mind. 1 Monat nach Therapie empfohlen.

Tinidazol 2 g als Einmaldosis
Entamoeba histolytica Stuhl-Mikroskopie und -PCR (bzw. aus Abszess)


Ggf. Serologie (ab 3-7 Tage nach Beginn)

Indikation: Immer bei Nachweis


Metronidazol 3x 10 mg/kg/Tag (max. 3x 800 mg/Tag) i.v. ODER p.o. (wenn asymptomatisch)


Im Anschluss zur intraluminalen Behandlung immer Paromomycin 3x 500 mg p.o. für weitere 10 Tage

Cryptosporidien,

Mikrosporidien

Stuhl-Mikroskopie und ggf. -PCR Supportive Therapie

Immunrekonstitution

Cyclospora Stuhl-Mikroskopie und PCR Cotrimoxazol 2x 960 mg für 7 Tage


Bei HIV: 7-10 Tage, ggf. suppressive Therapie mit Cotrimoxazol 960 mg 3x/Woche über 4 Wochen

Ciprofloxacin 2x 500 mg für 7 Tage ODER

Nitazoxanid 2x 500 mg für 7 Tage

Cystoisospora Stuhl-Mikroskopie Cotrimoxazol 2x 960 mg für 10 Tage


Bei HIV: 7-10 Tage, ggf. suppressive Therapie mit Cotrimoxazol 960 mg 3x/Woche über 6-8 Wochen

Ciprofloxacin 2x 500 mg für 7 Tage
S. stercoralis Stuhl-Mikroskopie und -PCR, Serologie Ivermectin 1x 200 µg/kg über 3 Tage oder 2x Einzeldosis im Abstand von einer Woche Albendazol 1x 400 mg über 3 Tage, Wdh. nach 2 Wo. ODER

Mebendazol 500 mg Einzeldosis

Weitere Helminthen (z.B. T. trichuria, A. duodenale, S. mansoni, A. lumbricoides) Stuhl-Mikroskopie, ggf. PCR (S. mansoni) Je nach nachgewiesenem Erreger

-> Kontakt zu Tropenmedizin


Prophylaxe und Prävention

Prophylaxe und Prävention bearbeiten

1. Zur Rezidivprophylaxe kann in Kombination mit der CDI-gerichteten Antibiotikatherapie bei hohem Rezidivrisiko einmalig Bezlotoxumab 10 mg/kg verabreicht werden (Risikofaktoren: Alter >65 Jahre, Immunsuppression, Rezidivsituation, Niereninsuffizienz).

2. Bei multiplen Rezidiven und nach einer Therapie mit mindestens Vancomycin und Fidaxomicin sollte die Möglichkeit eines fäkalen Mikrobiotatransfers als Sekundärprophylaxe eruiert werden.

Weiterführende Literatur und Hilfestellungen

Weiterführende Literatur und Hilfestellungen bearbeiten

Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben.

Quellen

• Hagel, S. et al.: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple, 2015

• Bennett, J. E., Dolin, R., & Blaser, M. J.: Mandell, Douglas, and Bennett's Principles and Practice of Infectious Diseases, 2020

• Farrar J., Hotez P. J., Junghanss T., Kang G., Lalloo D., White N. J.: Manson's Tropical Infectious Diseases, 2014.

• Lübbert, C., Grimm, M.: Akute Infektiöse Diarrhoe, 2014.

• (Krankenhaushygiene up2date 2018; 13(04): 451-469

• DOI: 10.1055/s-0043-118640; Diagnostik Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York; Präanalytik: Blutkultur, Urin, Stuhl, Anna Dudakova, Marco H. Schulze)



Einzelnachweise